natürlich schwanger – Schwangerschaft ohne Vorsorge

Schwangerschaft ohne Vorsorge

Ich glaube fast jede Mutter kennt diesen Moment in dem das Herz höher hüpft und die unglaubliche Freude beim Anblick des positiven Schwangerschaftstests. Doch schon kurz danach kommen bei den meisten Frauen die ersten Zweifel  ob der Test falsch sein könnte, ob alles mit dem Baby ok ist,… Schnell wird ein Termin beim Gynäkologen gemacht und erst wenn dieser einem die Schwangerschaft bestätigt hat und der werdenden Mama den Mutterpass aushändigt wird der positive Test wieder etwas realer.
Diesem ersten Arztbesuch folgt in der Regel eine wundervolle und intensive Zeit, die aber auch geprägt ist von Unsicherheit und Zweifel. Ich selbst fühlte mich in meiner ersten Schwangerschaft gerade die ersten Monate, als ich noch keine Kindsbewegungen gespürt habe sehr unsicher. Vor jedem Frauenarztbesuch war ich unheimlich nervös und hatte Angst, der Arzt könnte mir irgendetwas in die Richtung “ihr Kind ist krank” oder “ich höre keinen Herzschlag mehr” sagen. Ich wackelte wie eine Verrückte auf dem Stuhl im Wartezimmer hin und her, versuchte die aufsteigende Übelkeit unter Kontrolle zu halten und wartete darauf, dass mir der Arzt bestätigte was ich doch eigentlich instinktiv längst wusste:”ihrem Baby geht es gut”

Angst statt guter Hoffnung

Nach diesen Arztbesuchen ging es mir besser, ich war euphorisch, glücklich und fühlte mich richtig schwanger. Dieses Gefühl wurde innerhalb der  4 Wochen bis zum nächsten Termin immer weniger, bis ich mich schließlich abermals total nervös im Wartezimmer wiederfand. So wiederholte sich dieses Spielchen bis etwa zur 22. SSW. Ab da spürte ich mein Baby im Bauch täglich so intensiv, dass ich mir keine Sorgen mehr machte, dass es nicht mehr leben könnte. Dennoch gab es natürlich genug Gründe sich Sorgen zu machen, hier ein Ziehen, da ein komischer Schmerz, Übungswehen ab der 25. SSW,etc.

Immer wusste ich instinktiv, dass alles ok ist und immer wollte ich dennoch die Bestätigung meines Arztes haben. Warum? Na weil man das doch so macht oder? Von klein auf wachsen wir damit auf, dass eine Schwangerschaft so abzulaufen hat, wir kennen es nicht anders, wir hinterfragen nicht. Ich merkte immer mehr, dass mich diese Art nicht glücklich machte, im Gegenteil. Dass ich diese ganzen Untersuchungen eigentlich gar nicht wollte (ich war eine Bilderbuchschwangere für jeden Gynäkologen, ich hab sämtliche Untersuchungen mitgenommen, die man für Geld kaufen kann) und dass ich zunehmend genervt von den Arztterminen war, die Richtung Ende hin ja dann auch noch alle 2 statt 4 Wochen anstanden. Mir gab das ganze keine Sicherheit, die war nur oberflächlich. Im Gegenteil, mich verunsicherte das alles zutiefst, so dass ich immer mehr und mehr das Gefühl für mich, mein Baby und meinen Körper verlor und ich war zunehmend genervt. Ein paar Wochen vor der Geburt dachte ich mir dann, dass ich bei einer zweiten Schwangerschaft ja vielleicht doch in ein Geburtshaus gehen könnte wie ich es eigentlich schon immer wollte und es mir ausreden lies weil es ja so gefährlich sei. Für diese Geburt war es da leider schon zu spät.

In was für einer Entbindung (ich schreibe dieses Wort ganz bewusst, denn genau das war es: eine Entbindung. Kein gebären) diese ganze Odyssee letztendlich endete könnt ihr in meinem Geburtsbericht nachlesen.

Nach der Geburt meines Sohnes schwor ich mir, dass mir so etwas nie wieder passieren wird. Anfangs waren es nur Gedanken und zaghafte Überlegungen was es für andere Möglichkeiten gäbe die später, lange vor meiner jetzigen Schwangerschaft immer mehr Gestalt annahmen.

Eigenverantwortung übernehmen

Als es dann so weit war und ich wieder schwanger wurde, wusste ich ganz tief in mir drin eigentlich schon lange was ich wollte, ich hatte mich schließlich die letzten drei Jahre intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die endgültige Entscheidung dazu viel aber dann doch erst etwas später.

Diese Schwangerschaft fing schon ganz anders an. Ich spürte dass ich schwanger bin, ich wusste es, ich brauchte keinen Test. Damit ich meinem Mann trotzdem einen Beweis schwarz auf weiß oder eher blau auf weiß vorlegen konnte, machte ich dennoch einen Test. Zu dem Zeitpunkt war ich eigentlich noch nicht mal überfällig, aber ich war mir einfach sicher und tatsächlich war der Schwangerschaftstest positiv, zwar relativ schwach, aber deutlich. In der 5. SSW rief ich dann eine Vorsorge und Hausgeburtshebamme an  Zu einem Arzt wollte ich aufgrund meiner Erfahrungen in dieser Schwangerschaft nur zu den 3 großen Ultraschalluntersuchungen gehen. Diese Hebamme wurde mir von einer lieben Bekannten empfohlen. Sie sollte eine Seele von Hebamme sein, sehr natürlich,… wir vereinbarten einen Termin für die 9. SSW.

Je näher der Termin rückte, desto unwohler fühlte ich mich. Ich merkte wie ich wieder unsicher wurde, was die Hebamme wohl sagen würde und vor allem merkte ich ,dass ich überhaupt gar keine Lust hatte eine Fremde in meine Schwangerschaftsblase zu lassen. Ok wenn ich ehrlich bin hatte die Hebamme wahrscheinlich von vorne rein keine Chance, meine Entscheidung stand schon längst fest, es war mir nur noch nicht so ganz bewusst.

Sie verlangte wirklich wenig und wahrscheinlich auch sehr viel weniger als die meisten ihrer Kolleginnen. Aber ich war nicht dazu bereit, dass auch nur irgendetwas von mir verlangt wird, es ist mein Körper und mein Baby und ich werde mir nicht nochmal die Verantwortung für beides abnehmen lassen.

Ich habe nichts sofort und kategorisch abgelehnt, ich wollte lediglich auf Augenhöhe mit ihr darüber reden und fragte sie welche Untersuchungen für sie zwingend nötig sind um mich bei einer Hausgeburt begleiten zu können und warum. Um mich dann dafür oder dagegen entscheiden zu können. Mit plausiblen Erklärungen hätte ich wahrscheinlich der ein oder anderen Untersuchung sogar zugestimmt.

Schneller als ich schauen konnte fand ich mich plötzlich wieder in einer ähnlichen Situation wie in meiner ersten Schwangerschaft. Man wollte mir die Verantwortung und vor allem das Gefühl für meine Schwangerschaft absprechen, ich wurde verunsichert und angegriffen.

Auf keine einzige meiner Fragen, warum die Hebamme die und die Untersuchung möchte bekam ich eine Antwort. Es kamen immer nur Aussagen wie: “wenn du das nicht machen lässt, dann mach ich gar keine Vorsorge” und schon ist man wieder in diesem Zwang. Das hat nichts mit freier Entscheidung zu tun, auch wenn es gerne so hingestellt wird. Es gibt keinerlei Gesetzte die auch nur eine einzige Untersuchung in der Schwangerschaft verpflichtend machen würden. Wenn ich aber von der Hebamme vor die Wahl gestellt werde: “entweder du machst was ich sage oder ich mache keine Vorsorge und Hausgeburt”, dann ist das Zwang!

Ich habe immer wieder betont, dass ich nichts strikt ablehne, sondern einfach nur plausible Erklärungen möchte. Ich will mit meiner Hebamme auf Augenhöhe sein, nein ganz ehrlich? Ich will ÜBER der Hebamme stehen, denn sie ist der Dienstleister und wird dafür bezahlt, dass sie tut was ich will.

Nachdem sie mir keinerlei plausible Erklärung für eine vorsorgliche Blutabnahme und Urinprobe liefern konnte und immer nur wieder betonte, dass sie sonst gar keine Vorsorge macht, habe ich als ich merkte was hier gerade wieder mit mir passiert beides abgelehnt. Sie durfte dann noch kurz meinen Bauch abtasten um mir zu sagen wo der Fundus momentan steht (was ich auch so schon wusste), damit sie mir einen Mutterpass und eine Schwangerschaftsbestätigung ausstellen kann. Den Mutterpass wollte sie mir dann auch noch verweigern, denn sie könne ja eh nichts reinschreiben. Wieder Druck!

Als sie weg war, war ich erst mal fix und fertig und habe Rotz und Wasser geheult. Geht das alles jetzt von vorne los? Kann man jetzt nicht mal mehr den hoch gelobten Hebammen vertrauen?

Ich war mal wieder zutiefst verunsichert. Es war also genau das passiert, was ich diesmal auf keinen Fall zulassen wollte. Ich überlegte ernsthaft mich zu fügen, aus Angst ich könnte mein Kind und mich doch gefährden. Doch ich fühlte mich schrecklich bei dem Gedanken.

Du bist eine Göttin, du kannst das

Ich redete mit Alex, schilderte ihm meine Gefühle und meine unglaubliche Wut auf die Hebamme, auf das ganze System aber vor allem auf mich, weil ich es wieder zugelassen hatte, dass man mit mir so umgeht.

Und was soll ich sagen? Ich habe einfach den aller besten Mann auf der Welt. Alex nahm mich in den Arm, tröstete mich, wischte meinen Tränen weg und sagte” dann machen wir halt alles allein, ich vertraue dir, du bist eine Göttin, du kannst das!”

Mit dem Gedanken Alleingeburt hatte ich schon lange vorher gespielt. Ich wollte eh nur die Vorsorge um eine Hausgeburtshebamme als Backup zu haben, falls ich doch unsicher werden sollte. die Option doch jemanden rufen zu können, auch wenn ich es wahrscheinlich nicht tue, gab mir Sicherheit.

Nun musste ich mich entscheiden: sollte ich mich wieder fügen und Dinge tun die ich nicht will um eine Sicherheit zu haben die ich wahrscheinlich nicht in Anspruch nehmen werde? Vor allem : Wenn die Hebamme  mich jetzt schon zu Dingen zwingen möchte, wer sagt mir, dass sie es kurz vor der Geburt nicht auch so macht?”mach das und das oder ich begleite dich nicht bei der Geburt” oder sogar während der Geburt” wenn du nicht mitmachst ruf ich den Krankenwagen” etc.

Oder tue ich das, was ich schon in meiner ersten Schwangerschaft hätte tun sollen? Eigenverantwortung übernehmen und tun, was ich für richtig halte und vor allem was sich richtig anfühlt?

Tief in mir drin wusste ich schon lange vor dieser Schwangerschaft was ich tun werde. Typische gesellschaftliche Zwänge hatten mich kurzfristig wieder dazu gebracht Sicherheit von außen zu suchen. Jetzt wusste ich endlich ganz genau was ich tun werde und es fühlte sich noch nie etwas in meinem Leben so richtig und gut an.

Alex und ich haben uns gemeinsam für eine Schwangerschaft komplett ohne Vorsorge entschieden. Endlich kann ich eine Schwangerschaft so erleben wie es sein sollte. In guter Hoffnung, entspannt, glücklich und völlig in mir ruhend. Ich gebe diesmal die Verantwortung nicht ab und behalte dadurch mein gutes Körpergefühl. Diese Schwangerschaft ist sehr viel intensiver als die letzte, ich spüre tief in mich hinein und weiß instinktiv was mein Baby und ich brauchen und ob es uns beiden gut geht. Wenn wir uns intensiv mit uns beschäftigen, können wir in der besonderen und sehr feinfühligen Zeit einer Schwangerschaft sehr viel über uns, unseren Körper und unser Baby lernen.

Ich vertraue der Natur. Der weibliche Körper ist dafür gemacht, schwanger zu sein und ein Kind zu gebären. Er braucht dafür im Normalfall keine medizinische Überwachung. Versteht mich nicht falsch. Ich bin dankbar für den medizinischen Fortschritt, im Notfall kann er Leben retten. Aber dieses ständige VorSORGEN und unnötige Intervenieren macht viele Probleme leider erst, die es sonst gar nicht gegeben hätte.

Doch leider geben die meisten Frauen weiterhin ihre Eigenverantwortung schon zu Beginn der Schwangerschaft ab und vertrauen Ärzten und Hebammen mehr, als ihrem eigenen Gefühl. Was ich vollkommen nachvollziehen kann, ich hab es ja schließlich genau so gemacht. Die ständigen routinemäßigen Untersuchungen auf der Suche nach Anzeichen von Krankheit, können die eigentlich innige Vorfreude auf das Baby völlig drüben. Die Vorsorgeuntersuchungen sind sogar so alltäglich und normal, dass viele Frauen  denken, sie wären Pflicht. Dachte ich damals auch, es wird einem ja auch von allen Seiten so kommuniziert und wehe man hinterfragt etwas, dann wird man als unverantwortlich hingestellt und gefährdet das Leben seines Kindes. Ein einziger unbedachter Kommentar des Arztes kann Ängste schüren die uns Frauen die komplette Schwangerschaft begleiten und sogar eine natürliche Geburt erschweren können. Die Leichtigkeit, Sorglosigkeit und Unbeschwertheit kommt einem allzu oft abhanden und findet sich meist leider auch die gesamte Schwangerschaft nicht mehr ein.

Normen hinterfragen

Und genau das ist der Knackpunk. Es geht mir nicht darum, Untersuchungen generell zu verteufeln. Wie ich oben schon schrieb, haben manche in bestimmten Fällen durchaus ihre Berechtigung. Ich möchte Frauen nur dazu ermutigen, in sich hineinzuhören und nicht einfach alles mitzumachen, weil man es halt so macht oder weil ihnen Angst gemacht wird. Hinterfragt alles und jeden und gibt euch nicht mit irgendwelchen Ausreden zufrieden. Es ist EUER Körper, EUER Kind, EUER Leben und im Zweifelsfall EUER Trauma mit dem am Ende nur ihr Leben müsst.

Hört auf euren Instinkt. Eure innere Stimme kennt den richtigen Weg. Hört darauf.
Sucht euch Gleichgesinnte, auch online. Tauscht euch aus. Das gibt euch die Sicherheit nicht allein zu sein und hilft euch euren Weg klar zu sehen.

Ich kann es verstehen, wenn Frauen zumindest ein paar Untersuchungen mitmachen wollen, z.B. die 3 großen Screenings. Ich habe am Anfang auch immer wieder überlegt, ob ich nicht wenigstens diese Untersuchungen mache. Aber für mich war schnell klar: Ich bin im Vertrauen und mir geht es gut. Alles was kommt, kann daher im Zweifel nur verunsichern und zu Entscheidungen führen, deren Grundlage Angst ist.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass mein Weg nicht der Norm entspricht und möchte ihn auch nicht als den besten Weg für alle vorschlagen. Es ist einfach mein Weg, unser Weg, den wir uns sehr gut über mehrere Jahre hinweg überlegt haben.

Viele werden mich für Verantwortungslos halten, wahrscheinlich auch meine eigene Verwandtschaft. Aber das ist ok für mich. Habe ich doch vor ein. paar Jahren noch genau so gedacht.

Heute ist es genau das Gegenteil für mich:

Ich übernehme die volle Verantwortung

für mich, meinen Körper und für mein Kind.

Alles Liebe

Eure Nina

 

 

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5 comments / Add your comment below

  1. Ich kann dich so gut verstehen liebe Nina, ich wünsche dir von Herzen weiterhin viel Vertrauen, Urvertrauen in dich und dein Kind. Alles Gute und lass dich nicht unterkriegen vom Widerstand.

  2. Ich freue mich wirklich für euch, dass ihr euren Weg zu einer selbstbestimmten Schwangerschaft und Geburt gefunden habt. Wie schön es sich liest, wenn du davon schreibst, wie sehr ihr diese Schwangerschaft genossen habt. Ich kann dir hier leider nicht das gleiche berichten…habe ich aber auch nicht die Erfahrung einer komplikationslosen Schwangerschaft und Geburt machen dürfen. Für mich bedeuteten die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft nach so vielen Jahren des unerfüllten Kinderwunsches, zwar auch alle vier Wochen Aufregung im Wartezimmer und vermeintliche Sicherheit, die sich nach dem Termin schnell wieder in Unsicherheit umkehrte. Aber in erster Linie bedeuten sie für mich auch die Tatsache, dass mein Sohn heute überhaupt in unseren Armen liegen darf. Ohne die regelmäßigen Untersuchungen wäre der Ärztin nicht aufgefallen, dass unser Sohn sich auf einmal nicht gut entwickelt und offensichtlich etwas nicht stimmte. Dabei fühlte ich mich doch so gut und ich genoss die Schwangerschaft so sehr…was sollte schon sein?! Aber sie behielt Recht und ohne eine Geburt unter ständiger Kontrolle, wäre niemanden aufgefallen, dass sein Herz die ganze Aufregung schon nach einer Stunde überhaupt nicht aushalten konnte. Ohne die Ärzte und Hebamme, ihre Hilfe und ihr Eingreifen, wäre mein Schatz heute nicht hier. Es war keine schöne Geburt, es wurde ein Notkaiserschnitt, den ich nie gewollt hatte und dass auch noch unter Vollnarkose und ich sah meinen Sohn erst zwei Tage später, weil er noch während ich schlief, in ein anderes Krankenhaus verlegt wurde. Aber wie froh war ich, dass auch danach direkt Hilfe vor Ort war, die meinen leider kranken und behinderten Sohn am Leben hielten. Ich bin dankbar für jeden Arzt und meine Hebammen, die uns und unserem Sohn die Möglichkeit gaben, eine Familie zu werden.

    Trotzdem ist es bewundernswert wie du dich durchgesetzt hast und auf deine Gefühle gehört hast. Von deinen Erfahrungen zu lesen ist so schön und vielleicht erlebe ich irgendwann auch mal eine Geburt, bei der ich mich nicht ausliefern muss. Aber ganz sicher, wird sie unter “Kontrolle” durch Ärzte und Hebammen stattfinden.

  3. iebe Nina,
    herzlichen Dank für deinen Blog! …es gibt so viele Parallelen bei uns, weshalb ich dir eine Nachricht hinterlasse!
    Im Juni letzten Jahres haben mein lieber Alex und ich unseren ersten Sohn allein zuhause zur Welt gebracht. Ähnlich wie du über deine Gefühle, in Bezug auf die Vorsorge berichtest, erging es mir, weshalb die zweite Ultraschalluntersuchung auch der letzte Besuch beim Arzt war. Wir entschieden uns zunächst für eine Hausgeburt in Begleitung einer erfahrenen Hebamme. Bereits bei den Vorsorgen spürte ich Unbehagen, wie auch du es schilderst. Schwanger zu sein ist ein solch intimes Erlebnis, dass ich mich sehr schwertat, ‘fremde Hände’ an mich heranzulassen, um über mein Befinden und das Befinden des ungeborenen Babys urteilen zu lassen und zu mehr Sicherheit führte das nicht – im Gegenteil. Plötzlich wurde ich aus heiterem Himmel in der SSW 36 unter Druck gesetzt, eine dritte Ultraschalluntersuchung wegen der Kindslage durchführen zu lassen, weil sich die Hebamme plötzlich unsicher in Bezug auf die Scheitellage wurde. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt seit Wochen, dass das Köpfchen felsenfest im Unterleib lag und hegte keinerlei Zweifel daran, dass sich verändert haben sollte. Somit verweigerte ich eine weitere Ultraschalluntersuchung und vertröstete meine Hebamme auf die nächste Vorsorge. Spätestens jetzt war das Vertrauen auf beiden Seiten dahin: Ich spürte Verunsicherung (Angst) seitens der Hebamme und sie bekam eine Ahnung davon, dass ich Entscheidungen (auch unter der Geburt) selbst treffen wollte.
    Als wir bei unserem nächsten Wiedersehen die Vorgehensweise der Geburt besprachen und ich Verträge unterschrieben habe, die mich im Zweifelsfall entmündigten, schnürte es mir rgelrecht die Kehle zu. Und somit war die Entscheidung getroffen – ich bringe unser Baby mit Unterstützung meines lieben Mannes ohne Vaginaluntersuchung unter den Wehen, ohne regelmäßige CTG-Kontrolle und ohne eine Verlegung in eine Klinik, die wir nicht selbst entscheiden, zur Welt. Nicht aus der Motivation heraus, am Ende mit erhobenem Zeigefinger anderen werdenden Müttern unseren Weg aufdrängen zu wollen, sondern weil es in diesem Moment und mit diesem Baby die für uns intuitiv getroffene richtige Entscheidung war und wir uns mit bestem Wissen und Gewissen auf die Alleingeburt vorbereitet haben. Wir erlebten schließlich eine Bilderbuchgeburt! Ich fühlte mich stark wie eine Löwin und hatte zu keinem Zeitpunkt Angst, dass meinem Baby oder mir etwas zustoßen würde.
    Und diese unglaublich stärkende Selbstermächtigung wünsche ich jeder Frau!

  4. Vielen Dank für diesen wunderbar inspirierenden Beitrag.
    Ich bin voller Angst und es ist dennoch so wie Du es sagst, die Freude nach jedem Ultraschall ebbt schnell ab und transformiert sich in Angst.

    Dein Beitrag mittelt, macht Mut und stärkt den Blick für das Wesentliche- das Vertrauen.

  5. Liebe Nina,
    du machst mir gerade richtig Mut.
    Nach meinem Windei vor 1 1/2 Jahren fühlte ich mich sehr alleine gelassen von der Medizin und den Ärzten.
    Ich hatte nie das Gefühl Verständnis zu bekommen, bis mir eins klar wurde: keine Medizin der Welt kann Fehlgeburten etc. verhindern. Es ist vorbestimmt was einem im Leben passiert oder was man erleben muss. Nachdem ich das verstanden habe, wurde ich plötzlich endlich wieder schwanger und bin aktuell in der 8 SSW. Ich habe Mittwoch meine erste Vorsorge beim Arzt – ob ich danach nochmal eine Untersuchung machen lasse – glaube ich nicht.
    Natürlich wenn man Schmerzen, Probleme etc. hat, dann sollte man einen Arzt aufsuchen. Verhindern kann der jedoch auch nicht was Mutter Natur so will, maximal verzögern.
    Man liest so viel im Internet oder hört immer man soll in der Schwangerschaft die und die Probleme haben, Übelkeit ist ja quasi ein must have. Wenn es einem einfach nur gut geht – so wie mir – dann kann ja irgendwas nicht stimmen. Arme Welt.

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