Man darf jeden Tag nur ein Türchen im Adventskalender öffnen! Aber warum eigentlich?

Adventskalender früher öffnen

Mehr als die Hälfte des Adventskalenders ist schon leer. Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass der von meinem Sohn schon komplett geleert wurde.

Das zuzulassen viel mir ehrlich gesagt nicht leicht.. Letztes Jahr hat das mit dem Adventskalender noch super geklappt und jeden Tag wurde nur ein Päckchen geöffnet. Dieses Jahr ist Jamie 4 Jahre alt und hat von seiner Oma einen Adventskalender mit Süßem und kleinen Autos bekommen. Die Taschen in die die kleinen Geschenke rein kommen sind recht klein, so dass man eigentlich fast alles erahnen kann. So ist Jamie immer wieder hin und hat heimlich was raus gezogen. Ich wollte, dass er es zurück legt, war enttäuscht und hab geschimpft und habe dabei gar nicht gemerkt, dass nicht er sondern ich mit meinem Verhalten uns allen den Advent vermiese.

Mein Mann Alex hat mir dann eine ganz einfach Frage gestellt: “wie war es für dich als Kind mit dem Adventskalender und dem Warten?” Ich hab sofort geantwortet, dass ich immer gewartet hab und dass er sich doch selbst die Überraschung verdirbt. Dass er, wenn er jetzt alles raus holt an den anderen Tagen traurig ist und dass ich das nicht will. Dass ich aber auch keine neuen Dinge rein tun will, sonst lernt er ja nichts….

Puh, ganz schön viele Glaubenssätze. Abends im Bett habe ich nochmal darüber nachgedacht und mir ist eingefallen ,dass ich zwar immer gewartet hab, aber nur weil ich es  halt auch nicht durfte. Dass ich aber jede Gelegenheit genutzt habe um rein zu sehen was drin ist und auch schon mal heimlich Türchen ausgetauscht habe, wenn ich etwas unbedingt haben wollte. Und ich muss gestehen, ich kann heute noch nicht an einem Adventskalender vorbei gehen ohne rein zu sehen was drin ist. So stand ich  Abends wenn Jamie im Bett war auch vor seinem Adventskalender und hab rein geschaut. Ich mit 32 Jahren konnte mich also nicht zusammenreißen, erwartete es aber gleichzeitig von meinem Kind.

Und so durfte Jamie am nächsten Tag seinen Adventskalender leeren als er wieder gefragt hat und da sah ich endlich dieses Leuchten in seinen Augen. Das ging nämlich mit den Streitereien, das er nur eins aufmachen darf die Tage davor komplett unter. Ich erinnerte mich was das für ein Traum für mich gewesen wäre, hätte ich das in seinem Alter gedurft.

Und nein, er ist nicht traurig wie ich es erwartet hatte. Denn Kinder denken ganz anders als wir. Warum sollte er traurig sein weil etwas nicht da ist, das ist nicht anders als im Rest vom Jahr. Er hat aber sehr wohl einen Grund traurig zu sein, wenn die ganze Zeit seine Lieblingssüßigkeit und sein Lieblingsspielzeug vor seiner Nase hängt und er es nicht nehmen darf.

Egal wie oft ich ihm noch erklärt hätte, dass er jeden Tag nur ein Türchen aufmachen darf, er hätte es nicht verstanden. Warum auch? Er wächst hier völlig gleichwertig mit uns auf. Das heißt auch, dass er sich nehmen kann was er will und wann er will. Alex und ich lassen uns ja auch nicht sagen wann wir was essen oder machen dürfen. Und plötzlich darf er das nicht mehr? Und das soll dann auch noch etwas tolles sein?
Was nicht da ist, ist nicht da. Dann vermisst er es aber auch nicht. Was da ist kann er nehmen und wenn er was möchte was wir nicht haben, dann kaufen wir es, wenn es die finanzielle Situation zulässt.

Also ja, Jamie kann durchaus auf etwas verzichten wenn es mal einfach nicht geht. Aber bei einem Adventskalender ist das doch etwas völlig anderes, denn das “es geht nicht” ist in diesem Fall nur in unseren Köpfen.

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2 comments / Add your comment below

  1. Interessanter Ansatz…ich persönlich hab als Kind gewartet weil ich mich gefreut habe jeden Tag über etwas freuen zu können…nun auch mein Sohn…ganz ohne Streit. Wenn ich alles auf einmal haben wollen würde könnt ich gleich ìn Supermarkt einkaufen gehen. Da geht der Zauber für mich verloren ganz ohne Glaubenssätze.

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