Was sich alles verändert hat, seit wir uns vegan ernähren

Was sich alles verändert hat, seit wir uns vegan ernähren

Anfangs fiel uns die Ernährungsumstellung sehr schwer. Bevor Jamie geboren wurde waren wir furchtbare Esser. Jede Menge Zucker in Form von Süßigkeiten und 1,5 Liter Cola am Tag, Fertiggerichte und Pizzaservice waren bei uns keine Seltenheit. Gemüse oder Salat kamen hier allenfalls als Beilage oder eher Deko auf den Teller. Obst haben wir regelmäßig weggeschmissen, weil es schlecht wurde. Wären wir vor einem mit Gemüse gefüllten Kühlschrank gestanden, hätten wir gesagt: „Wir wissen nicht was wir kochen sollen, wir haben nichts da.“

Seit Jamies Geburt haben wir uns immer mehr und mehr mit dem Thema Ernährung beschäftigt und immer mehr umgestellt. Als erstes haben wir auf Industriezucker verzichtet und da schon gemerkt, was so eine Ernährungsumstellung ausmacht. Als nächstes haben wir immer mehr Gemüse in unsere Ernährung eingebaut, Milchprodukte weggelassen,… So ging das ganze eigentlich recht schleichend voran und es kam eins zum anderen und wir haben teilweise erst im Nachhinein gemerkt, dass wir plötzlich Dinge verändern, die wir nie wollten. Auch wir hatten die typischen Vorurteile gegenüber Veganern und der veganen Ernährung, heute können wir darüber nur noch lachen und den Kopf schütteln.

Nun ernähren wir uns mittlerweile seit einigen Monaten (mit wenigen Ausnahmen, die aber auch weniger werden und irgendwann mir Sicherheit ganz wegfallen) vegan. Und ich muss sagen, wir waren und sind teils immer noch sehr überrascht, was wirklich alles mit der Ernährung zusammenhängt.

Du nimmst ab und bekommst ein gesundes Gewicht

Dass wir angefangen haben abzunehmen ist ja erstmal nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Obst und Gemüse wesentlich weniger Kalorien als Fastfood hat. Dass wir aber, gerade Anfangs, in so einer rapiden Geschwindigkeit an Gewicht verlieren und dabei sogar wesentlich mehr essen als früher, hätten wir nicht gedacht. Bei Alex hat sich das Gewicht mittlerweile eingependelt, bei mir sind es noch ein paar Kilo zu viel, die zwar nun nicht mehr so schnell aber dafür stetig weniger werden.

weniger Hunger und kein Heißhunger mehr

Wir essen regelmäßiger und haben weniger Hunger. Während Alex früher riesige Portionen Schokomüsli mit Milch zum Frühstück und dann Vormittags in der Arbeit große Sandwiches mit Salami, Käse und Mayo und Knabberzeug nebenbei verdrückte, reicht ihm jetzt in der Früh ein grüner Smoothie und in der Arbeit ein Salat.

Gerade bei mir ist der starke Heißhunger verschwunden der dazu führte, dass ich nicht selten eine ganze Tafel Schokolade auf einmal aß. Ok  ich gebe es zu, es waren eher zwei und noch ein Eis hinterher. Wenn ich nun zwischendrin Hunger bekomme, der Heißhunger ist wirklich komplett weg, mache ich mir einen Rohkostteller, der aber mittlerweile eigentlich eh immer da steht und jeder mal rein greift.

Wir haben uns lange vor einer Ernährungsumstellung gesträubt, weil wir auf nichts verzichten wollten. Aussagen wie: „Ich verzichte auf nichts“ während gleichzeitig erzählt wurde, dass nun mehr Gemüse und weniger Süßes, kein Brot oder was auch immer mehr gegessen wird, konnten wir nicht ernst nehmen. Das war für uns Diät und Zwang.

kein Verzicht sondern ein erweiterter Speiseplan

Ja, was soll ich sagen? Jetzt gehören wir selbst zu denen, die sagen: Wir verzichten auf nichts. Und es stimmt. Aus unserer früheren Sicht verzichten wir natürlich auf jede Menge Dinge, die uns mal wichtig waren. Aber mit der Ernährungsumstellung verändert sich auch der Geschmack und die Vorlieben. Wir verzichten nicht, weil wir diese Dinge gar nicht mehr essen wollen, weil sie uns teilweise gar nicht mehr schmecken.

Ich habe zu Gast bei Freunden, gerade Anfangs, immer mal wieder z.B. Fleisch probiert wenn wir beim Grillen waren, obwohl es mich schon von Anfang an nicht gereizt hat und es hat mir tatsächlich nicht geschmeckt. So habe ich an solchen Abenden „nur“ gegrilltes Gemüse und Salat gegessen. Für andere sah es wahrscheinlich nach Verzicht aus und auch ich hätte es vor gar nicht all zu langer Zeit als Diät und Verzicht gesehen. Aber das ist es nicht, denn ich habe es ja freiwillig nicht gegessen, weil ich es nicht wollte, es mir eben nicht geschmeckt hat.

In Wirklichkeit erweitert sich dein Speiseplan sogar, wenn du dich vegan ernährst. Durch die Geschmacksänderung probierst du immer mehr neue Sachen. Dinge die dir nie geschmeckt haben, sind plötzlich so unglaublich lecker, dass du dich fragst, wie du nur dein Leben lang darauf verzichten konntest. Man wird experimentierfreudig und probiert viele Sachen aus. So genanntes Pseudogetreide wie z. B. Quinoa und Amaranth, aber auch Hülsenfrüchte wie rote Linsen hätte ich früher nie gekauft, jetzt bereichern sie täglich unser Essen. Alles schmeckt so viel intensiver und besser. Du merkst schon, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus.

bessere Verdauung

Durch die vielen Enzyme und Ballaststoffe verbessert sich auch die Verdauung oder besser gesagt, sie normalisiert sich. Blähungen und ein harter Bauch gehören der Vergangenheit an.

schönere und klare Haut

Die Haut verbessert sich. Bleiche, trockene, pickelige, juckende und schuppende Haut weicht einer frischen, glatten und rosigen Haut. Sogar Ekzeme und Neurodermitis können völlig verschwinden. Ich habe seit Jahren an den Fußrücken und gelegentlich auf den Handrücken und dem Oberarm solche Ekzeme und wusste nie woher sie kamen. Seit wir uns vegan ernähren sind sie komplett verschwunden und wenn ich mal ein paar Tage Mist esse, was gerade während der Umstellungsphase noch vorkam, sind sie sofort wieder da.

bessere Gesundheit

Wir sind gesünder. Gut, wir waren schon immer eher selten krank und gingen noch nie wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Aber mit der Ernährungsumstellung sind auch die ganzen Wehwehchen verschwunden. Jamie war mit seinen fast 3 Jahren, außer zu den U`s, die hier in Bayern Pflicht sind, noch nie beim Arzt und Alex leidet nicht mehr ständig an Kopfschmerzen.

mehr Leistung und Bewegung

Wir sind leistungsfähiger und bewegen uns mehr. Bewegung macht plötzlich Spaß, wir sind voller Energie und Tatendrang. Kein träges auf der Couch sitzen mehr nach dem Essen. Endlich liefert uns die Nahrungsaufnahme das wofür sie gedacht ist. Wir machen nun regelmäßig Sport, das Auto bleibt so gut wie immer im Alltag stehen und wir laufen, wir gehen schwimmen und toben mit Jamie auf dem Spielplatz.

weniger Schlaf

Wir brauchen weniger Schlaf. Egal wie viel wir früher geschlafen haben, wir waren irgendwie immer müde. Ich brauchte jede Nacht mindestens 8, eher 10 Stunden schlaf um halbwegs zu funktionieren. Mit Kind eigentlich kaum möglich. Jamie war Phasenweise alle halbe Stunde wach und ich fix und fertig. Heute reicht mir viel weniger Schlaf. Klar liegen wir auch gern mal länger im Bett, vor allem um miteinander zu kuscheln, aber uns reichen auch 4 Stunden zum Schlafen um den ganzen Tag fit zu sein. Wodurch wir natürlich auch sehr viel Zeit gewinnen während Jamie schläft um z.B. zu arbeiten oder einfach mal Zeit als Paar zu haben.

erhöhte Konzentrationsfähigkeit

Wenn ich gerade vom Arbeiten rede. Auch diese geht nun viel schneller und leichter von der Hand, da wir uns viel besser konzentrieren können. Das Gehirn arbeitet einfach irgendwie effizienter.

stärkeres Selbstbewusstsein

Auch ein stärkeres Selbstbewusstsein ist ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt unserer Ernährungsumstellung. Dadurch, dass wir uns so viel besser und fitter fühlen, laufen wir automatisch aufrechter, gehen mit einem Lächeln in die Welt hinaus und strahlen an sich einfach viel mehr Zufriedenheit aus. Dies wiederum zieht andere Leute an, man wirkt einfach viel sympathischer.

entspannter und gelassener Umgang mit Stresssituationen

Die Letzte und für uns die wichtigste Veränderung seit wir uns vegan ernähren ist, dass wir wesentlich entspannter und gelassener werden, vor allem im Umgang mit Jamie.Wir sind auch in stressigen Situation nicht mehr so schnell genervt und können viel ruhiger und bedürfnisorientierter reagieren. Auch Alex und ich streiten viel weniger und ich muss sagen, ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendwas in unserer alten Ernährung aggressiv macht.

Dass sich so unheimlich viel in unserem Leben ändern wird, nur weil wir unsere Ernährung umstellen und sich dadurch so viel neue Möglichkeiten und Wege auftun, hätte ich ehrlich gesagt nie gedacht und ich bin so froh, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben.

Dennoch werde ich bei manchen Dingen immer wieder Rückfällig. Also wenn ihr einen Tipp für einen megaleckeren veganen Käse für mich habt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir ein Kommentar hinterlässt.

Alles Liebe

Nina

 

 

 

 

Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

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Fremdbetreuung oder Selbstbetreuung? Bei dieser Frage kommt es nicht selten zu heftigen Diskussionen.

Eltern die ihre Kinder zur Tagesmutter geben oder in einer Krippe/Kita betreuen lassen, fühlen sich in den allermeisten Fällen schon allein von dem Wort „Fremdbetreuung“ angegriffen. Es wären ja gar keine fremden Leute die da auf das Kind aufpassen, man lernt sie schließlich vorher kennen. Mal abgesehen davon, dass man nach ein paar Wochen Eingewöhnung definitiv nicht von kennen sprechen kann, ist es nun mal auch der Fachbegriff dafür was es halt einfach ist.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder

In Wirklichkeit sind es eher die Eltern bzw. Mütter die ihre Kinder selbst betreuen, die stark kritisiert werden. Übermutter, Hartz4, sich aushalten lassen, NUR Hausfrau,… das sind nur einige der Begriffe die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. Nur weil man sein Kind nicht von anderen, ja in der Tat Fremden erziehen lassen will.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder. Für eine sichere Bindung braucht ein Kind einen sicheren Hafen in Form seiner Mutter / seiner primären Bezugsperson (der Einfachheit halber ist im weiteren Text nur von der Mutter die Rede), aber mit Sicherheit nicht den Alltag in einer Aufbewahrungsanstalt.Viele Psychotherapeuten, Ärzte und Forscher sind sich einig: Säuglinge und Kleinkinder brauchen die ständige Anwesenheit der Mutter.

In der Bindungsforschung ist schon lange klar, dass die Mutter – Kind – Bindung, hingegen landläufiger Meinung, unersetzbar ist um ein optimales Gedeihen und die psychische Gesundheit eines Kindes sicher zu stellen. Dr. med. Karl Heinz Brisch, John Bowlby, Jean Liedloff und Prof. Dr. Gerald Hüther sind wohl die bekanntesten Namen derer, die sich diesem Thema widmen.

 Könnte man in Anbetracht dessen nicht warten bis die Kinder freiwillig ein paar Stunden mit anderen Kindern spielen möchten, was meist mit 3 bis 4 1/2 Jahren der Fall ist? Warum stellen manche Mütter ihre Arbeit und „Zeit für sich“ über die Grundbedürfnisse ihrer Kinder? Kann eine Mutter sich nicht für ein paar wenige Jahre ihres Lebens zurück nehmen um voll und ganz für ihre Kinder da zu sein und ihnen somit eine starke und gesunde Basis für ihr ganzes Leben mitzugeben?
Viele werden jetzt sagen, dass nun mal nicht jeder die Wahl hat, dass viele arbeiten müssen, da das Geld sonst nicht reicht.  Ich sage, es gibt (zumindest in Deutschland) fast immer einen Weg. 3 Jahre Elternzeit stehen hier jedem zu. Wie viel Geld bleibt von dem Verdienten am Ende bei vielen denn wirklich übrig, wenn man die Kosten für die Kinderbetreuung und Benzinkosten um das Kind in die Kita zu bringen und selbst zur Arbeit zu kommen abzieht? Braucht man wirklich ein Haus mit Garten von dem niemand was hat, weil man nur die Nächte dort verbringt oder zwei Autos? Wäre das Kind in einer 2 Zimmer Wohnung ohne Garten, dafür bei Mama nicht viel glücklicher?

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat und das gleich in zweifacher Weise. Mütter werden als billige Arbeiter mobilisiert und die nächste Generation wird oft genug noch in den Windeln liegend seelisch gebrochen. Hier der Brief einer Mama, die sich zu den jüngsten Vorfällen in einer berliner Kita äußert. Die perfekten unreflektierten Jasager und Soldaten von morgen.
Eine Kindergartenpflicht wird längst diskutiert, der Staat maßt sich an, sich als besseren Erzieher unserer Kinder hinzustellen und Tritt unsere Rechte mit Füßen. Und wir? Wir lassen es uns gefallen und fallen auf den Deckmantel der Selbstbestimmung und Gleichberechtigung rein. Schöne neue Welt – kennt ihr das Buch von Aldous Huxley? Solltet ihr mal lesen. Weit sind wir nicht mehr davon entfernt.
„Aber mein Kind hat doch Spaß dort, es ist glücklich, am Abend vom Spielen mit seinen Freunden zufrieden und müde und außerdem: Jedes Kind ist anders.“ So oder so ähnlich klingen die Argumente der Befürworter der Fremdbetreuung. Das Kind geht ja schließlich freiwillig. Tut es das? Oder hat es zum Ende der Eingewöhnung ( die es, wäre es wirklich freiwillig dort, gar nicht bräuchte) einfach nur aufgegeben und sich seinem Schicksal gefügt? Das Heimweh und die Tränen sieht die Mutter nicht und am Abend erzählt die Erzieherin was die, von der Arbeit müde Mutter hören will: „Alles ok , klein Lisa hatte Spaß“.

 

Jeder Instinkt in uns schreit, dass das nicht richtig sein kann. Kinder die von ihrer Mutter getrennt werden, stehen unter enormen Stress und der ist bewiesenermaßen auch für uns Erwachsene alles andere als gesund. Ein kleines Kind kann die Zeit noch nicht abschätzen, ein paar Minuten können sich schon wie Stunden anfühlen, ein Tag im Kindergarten wie eine Ewigkeit. Die Kinder sind dabei meist nicht mal auffällig, im Gegenteil weinen sie oft äußerst selten, sind ruhig und angepasst. Im Erwachsenenalter entwickeln diese Kinder jedoch auffallend oft ausgeprägte Trennungsängste.

Der Cortisolspiegel erhöht sich bei fremdbetreuten Kindern unter 3 Jahren dauerhaft, das Urvertrauen wird empfindlich gestört, der Stress schadet nachweislich der Gehirnentwicklung. Zu diesen Ergebnissen kommen unter anderen die zwei großen Krippenstudien NICHD Study of Early Child Care and Youth Development und die Wiener Kinderkrippenstudie WiKi. Verhaltensänderungen werden laut Bowlby von den Eltern oft nicht mit der Fremdbetreuung in Verbindung gebracht, die Kinder in ihrer Not also nicht gesehen. Mangelnde Sozialkompetenz, Empathie sowie Bindungs- und  Persönlichkeitsstörungen sind nur wenige der möglichen Folgen der Fremdbetreuung.

Aber was ist denn mit dem oft zitierten afrikanischen Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen“? Ganz einfach: das ist kein Widerspruch! Das braucht es auch. Mütter die vollkommen mit ihren Kindern auf sich allein gestellt sind, das ist genauso unnatürlich, wie die Fremdbetreuung. Wir haben schon immer im Clan oder einer Großfamilie zusammen gelebt. Die Kinder wurden natürlicherweise von allen gemeinsam großgezogen und die Mutter bei ihren Aufgaben unterstützt.

Zwischen diesen beiden Dingen gibt es jedoch einen grundlegenden Unterschied: die Mutter war greifbar, das Kind wurde nicht von der Mutter getrennt, sondern der Mutter das Leben mit Kind ermöglicht. Dafür sollten wir kämpfen, nicht für noch mehr Krippenplätze.

Desweiteren „waren die betreuenden Personen in der Regel Teil eines mit der Mutter eng und persönlich verbundenen sozialen Netzes“ (Herbert Renz-Polster). Und genau darauf ziehen Portale wie z.B. kindergartenfrei.org ab. Die Mütter/Familien dort helfen sich gegenseitig und vernetzen sich. Ganz nach dem Motto:

“ Kinderbetreuung ist Familiensache!“

Quellen:
Bücher
Online

Warum ich meinen fast 3 jährigen noch stille

Warum ich meinen fast 3 jährigen noch stille

Stillen wird im Allgemeinen in unserer Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern hat auch einen hohen Stellenwert. Zumindest solange das Kind nicht älter als 6 Monate ist und die Mutter sich dafür aber bitte auf der Toilette oder ihr Kind unter einem Tuch versteckt. Alles was darüber hinaus geht, ist für die meisten schon nicht mehr wirklich verständlich, wird aber meist noch akzeptiert. Sobald das Kind aber über ein Jahr alt ist oder bereits Laufen kann ist es auch mit der Akzeptanz schnell vorbei. Das Stillen über einem Jahr hat sogar einen eigenen Namen: Langzeitstillen nennt es sich gemeinhin. L A N G Z E I T S T I L L E N das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Allein dieses Wort impliziert schon, dass das Stillen ab etwa einem Jahr (höchstens) nicht mehr normal ist.

Das natürliche und biologisch sinnvolle Abstillalter des Menschen liegt irgendwo zwischen 2,5 und 7 Jahren

Eine seltsame Auffassung, wenn man bedenkt, dass das natürliche und biologisch sinnvolle Abstillalter des Menschen irgendwo zwischen 2,5 und 7 Jahren liegt wie es Katherine A. Dettwyler ausführlich auf wissenschaftlicher Ebene ausführt. Die Ergebnisse ihrer Studien könnt ihr bei der AFS in Kurzfassung auf deutsch nachlesen. Auch die WHO empfiehlt das Stillen bis mindestens zum Alter von 2 Jahren und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen. Diese Empfehlung gilt ausdrücklich für alle Kinder weltweit, nicht wie oft angenommen nur für Dritte Welt Länder. Die American Academy of Pediatrics nennt in ihren Empfehlungen nicht mal eine genaue Zahl. Ihre Empfehlungen sagen lediglich, dass es keine Obergrenze für die Stilldauer und keinen Beleg für Schädigungen hinsichtlich der Psyche oder der Entwicklung gibt, wenn bis in das dritte Lebensjahr oder länger gestillt wird.

In unserer Gesellschaft hat sich jedoch eine irrationale Angst augebreitet, das Kind würde vielleicht nie selbständig werden, wenn es so lange gestillt wird, sich niemals selbst abstillen und Essstörungen entwickeln wenn man zum trösten stillt. In Wahrheit ist eher das Gegenteil der Fall.

Auch die Freiheit der Mutter wird immer wieder als Argument für das zeitige Abstillen genannt. Johanna Bose hat es meiner Meinung nach in einem Artikel auf ihrem Blog Rubbelbatz auf den Punkt gebracht:

„Meinem Empfinden nach wird das auch in unserer Gesellschaft oft so kommuniziert und als normal empfunden. Eine Mutter darf sich nicht „aufopfern“ und „braucht irgendwann wieder ihre Ruhe“. Und wenn eine Mutter es doch länger erduldet, dass das Baby an ihrer Brust hängt, dann stimmt irgendwas nicht mit ihr. Vermutlich möchte sie das kleine Wesen nicht in die Unabhängigkeit entlassen, weil sie Trennungsängste hat. Ich wage es oft nicht so direkt anzusprechen, weil letztendlich ja jeder für sich entscheiden muss und ich niemandem ein schlechtes Gewissen machen möchte. Aber ich frage mich zwei Dinge: Braucht eine Mutter das wirklich, ihre Unabhängigkeit? Hat sie ein „Recht“ darauf? Zählen ihre Bedürfnisse mehr als die des Babys? Und: Hat sie dann wirklich mehr Ruhe?“

Stillen ist so viel mehr als Nahrung. Es ist Liebe, Nähe, Geborgenheit, Trost, Wärme, Sicherheit, es ist einfach allumfassend.

Natürlich ist ein zweijähriges Kind nicht mehr unbedingt auf die Muttermilch angewiesen um nicht zu verhungern, jedoch ist stillen so viel mehr als Nahrung. Es ist Liebe, Nähe, Geborgenheit, Trost, Wärme, Sicherheit, es ist einfach allumfassend.

Stillen

Wie viele Kinder bekommen weit über das erste Lebensjahr hinaus einen Schnuller und auch weiter Säuglingsmilch in der Flasche angeboten? Dieser Anblick ist für uns etwas völlig normales, ein Kind hat ja schließlich auch ein Saugbedürfnis das erst nach bis zu 7 Jahren langsam verschwindet. Warum geben wir unseren Kindern dann nicht einfach die Brust solange es sie braucht? Warum höre ich immer wieder Sätze wie: „Ich bin doch kein Schnullerersatz“? Schnullerersatz? Was soll das sein? Ich kenne nur den Schnuller als Brustersatz. Dieses völlig verdrehte Denken ist, wenn auch ein sehr harmloses Beispiel, mit ein Resultat einer Erziehung, die darauf abziehlt, Kinder so schnell wie möglich auf sich allein gestellt zu lassen, die auf Johanna Haarer, einer Autorin von Erziehungsratgebern der Nazizeit zurück geht. Ihr Bestseller „die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ wurde, nachdem es entnazifiziert wurde, noch bis 1987 aufgelegt.

 Für das Stillen über das normalisierte erste Jahr hinaus, sprechen nicht nur die psychischen Aspekte.

Aber für das Stillen über das normalisierte erste Jahr hinaus, sprechen nicht nur die psychischen Aspekte. 500ml Muttermilch decken, bei einem Kleinkind über einem Jahr unter anderem noch

  • 43% des Proteinbedarfs
  • 40% des Calciumbedarfs
  • 90% des Vitamin C Bedarfs und
  • 80% des Vitamin A Bedarfs

hinzu kommt, dass auch der Energiebedarf noch zu einem großen Teil von der Muttermilch gedeckt wird.

Muttermilch enthält um den zweiten Geburtstag herum nochmal ähnlich viele Abwehrstoffe wie das Kollostrum. Wäre es wirklich nicht normal, in diesem Alter noch zu stillen, wäre dies nicht der Fall. Gleichzeitig profitiert das gestillte Kleinkind natürlich auch weiterhin von den vielen Vorteilen , die Muttermilch sowieso immer mit sich bringt. So wirkt Muttermilch nicht nur schmerzstillend. Gestillte Kinder sind darüber hinaus auch seltener übergewichtig, seltener krank, oft weniger wählerisch beim Essen und haben meißt eine optimal entwickelte Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, was Zahnfehlstellungen vorbeugt und der Sprachentwicklung zu gute kommt. Darüber hinaus verweigern kranke Kinder oft jegliche Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, Muttermilch wird aber in aller Regel auch dann angenommen.

Und auch der Mutter kommt das Stillen über das erste Jahr hinaus entgegen. Gegen die allgemeine Meinung, das längeres stillen ungesund für die Mutter wäre, vermindert stillen effektiv die Gefahr der Mutter an verschiedenen Krankheiten wie Gebärmutterkrebs, Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen, Osteoporose, Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

In Anbedracht dessen ist der Ausdruck Langzeitstillen nicht nur irreführend, sondern schlicht und einfach falsch. Viel eher würde es passen, wenn man anders herum kürzeres Stillen als das bezeichnen würde, was es nunmal ist: verkürztes Stillen. Oder wir nennen das Stillen über das erste Lebensjahr hinaus einfach nur „Stillen“. Denn genau das ist es nämlich, nicht mehr und nicht weniger, es ist natürlich und schon gar nichts Besonderes. Sondern einfach nur: Stillen.