Risiko Schwangerschaft – nichts mit guter Hoffnung

die Pathologisierung der Schwangerschaft 

Das deutsche Gesundheitswesen hat schon lange nichts mehr mit der Versorgung kranker Individuen zu tun, es geht zunehmend ums Geschäft. Und womit lässt sich mehr Geld machen als mit der Angst der Patienten?

Sehr lukrativ sind hier natürlich schwangere Frauen, deren Sicherheitsbedürfnis, Ängste und Sorgen perfekt auf die Werbestrategien des Gesundheitsmarktes anspringen. Dass die umworbenen Versprechen meist kaum wissenschaftlich fundiert sind und Ärzte oft nichtmal wissen, was sie da eigentlich tun, ist dabei erstmal zweitrangig.

Die schwangeren Frauen vertrauen, gerade beim ersten Kind, lieber den Ärzten als ihrer Intuition. Beworbene Artikel wie Schwangerschaftstee, Stilltee, Cremes oder Vitaminpräparate werden bereitwillig gekauft. Schließlich will man ja nur das Beste für sein Kind. Geholfen ist damit höchstens den Herstellern.

Nicht nur die Sorge um das Kind bringt Frauen dazu sich zb für Pränatal-Diagnostik zu entscheiden, sondern auch die immer weiter verbreitete Meinung, dass die Geburt eines kranken Kindes an vernachlässigter Vorsorge und somit an der verantwortungslosen Mutter liegt. In einer Leistungsgesellschaft ist nunmal kein Platz für kranke Kinder und so wird ihnen von der Gesellschaft jedes Recht auf Leben abgesprochen. 

Die in den meisten Fällen voreilig getroffene und übertriebene Einstufung als Risikoschwangere tut ihr übriges. Der Ultraschall, der mittlerweile verharmlosend „Babyfernsehen“ genannt wird gehört längst bei jeder Vorsorgeuntersuchung, die im Normalfall im 4 Wochen Rhythmus stattfinden, zum guten Ton. Dazu kommen Labortests, Urin- und Gewichtskontrollen, im letzten Drittel oft alle 2 Wochen (zum Ende der Schwangerschaft manchmal sogar täglich) ein CTG und unzählige vaginale Untersuchungen.

Guter Hoffnung ist längst kaum eine Schwangere mehr.

Am Ende hat man völlig erschöpfte Schwangere, die schon vor der Geburt ihrer Kinder gestresst und zutiefst verunsichert sind. 

Alles was diese Frauen dann brauchen ist Ruhe und ein bisschen Vertrauen. Aber wie soll man einem Körper denn vertrauen und vorallem so etwas gewaltiges wie eine Geburt zutrauen, einem Körper der einen doch anscheinend schon in der Schwangerschaft im Stich gelassen hat, mit dem man ohne die vielen Untersuchungen und die ärztliche Hilfe wahscheinlich gar nicht erst bis zum Ende der Schwangerschaft gekommen wäre?

Der Körper weiß doch gar nicht was er tut!

Wenn die Frau am Anfang ihrer Schwangerschaft vielleicht sogar noch ein bisschen Vertrauen hatte, hat sie spätestens bis zur Geburt jegliches Gefühl für ihren Körper und das Wohlergehen ihres Kindes verloren. 

So ist es dann nicht nur nicht verwunderlich, sondern sogar die einzige logische Konsequenz, dass das letzte bisschen Selbstbestimmung an der Kreißsaaltüre abgegeben wird, natürlich wieder zum Wohle des Kindes. Was denn sonst? Und im Kreißsaal geht es dann munter weiter mit den sehr überzeugenden Verkaufsstrategien der medizinischen Fachkräfte, die nicht selten dazu führen, dass eine völlig zertörte, frisch gebackene Mama und ein traumatisiertes Baby zurück gelassen werden.

Nur sagen darf die Frau das nicht, wo kommen wir denn da hin? Froh und glücklich sein soll sie. Haben die Ärzte, Schwestern und Hebammen ihr und ihrem Kind doch das Leben gerettet, nach dem die Natur und ihr Körper offensichtlich nicht im Stande waren ein Kind auf die Welt zu bringen.

Gewalt in der Geburtshilfe ist längst Alltag

Dass die meißten Interventionen in Kliniken haus gemacht sind und die Menschheit wohl schon längst ausgestorben wäre, wenn tatsächlich bei über 30% der Geburten ein Kaiserschnitt wirklich nötig wäre, interessiert hier niemanden. Nur 5% aller Geburten in Deutschland verlaufen ohne Interventionen. Will man uns wirklich weiß machen, dass 95% der Frauen nicht dazu in der Lage sind, ein Kind zu gebähren?

Wir sind Göttinnen

Es wird Zeit, dass wir uns wieder daran erinnern was wir sind! Wir sind Göttinnen, dazu gemacht Leben zu erschaffen. Wir müssen aufhören, uns von anderen (komischerweise größtenteils Männern) einreden zu lassen, dass wir fehlerhaft sind. Das sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir sind perfekt! Perfekt dazu geeignet, ein Leben in uns wachsen zu lassen, es zu gebären, zu nähren und zu beschützen.

Das Einzige, was wir dafür brauchen ist ein bisschen

NatUrvertrauen

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2 comments / Add your comment below

  1. Schöner Artikel.
    Ich selbst (bin jetzt 26) habe kein Kind und weiß auch noch nicht wirklich, ob ich welche möchte – was glaube ich größtenteils mit meiner furchtbaren Angst vor der Geburt zusammenhängt.
    Ich denke, dass diese ganze Maschinerie, die du da erklärt hast, ein gutes Stück dazu beigetragen hat – mir wird nämlich schon beim Gedanken an einen Kreißsaal ganz anders.
    Und beim Frauenarzt kommt man sich auch als Nicht-Schwangere irgendwie so vor, als wenn etwas mit dem weiblichen Geschlecht nicht stimmt – es gibt schließlich keinen Arzt, zu dem die Männer alle 6 Monate sollen! :/

    Ich weiß nicht, irgendwie würde unserem ganzen System mehr (Ur-)Vertrauen ganz gut tun. Das ist nicht nur ein medizinisches Problem, das zieht sich ja überall durch. Es gibt zB so viele Leute mit Angsterkrankungen, denen jedes Vertrauen in sich selbst fehlt. Alles sehr seltsam heutzutage…

    Naja. Was ich damit sagen wollte: Guter und wichtiger Artikel! Und was mich interessieren würde: Gibt es denn als Schwangere eine Alternative zu dem ganzen Klimbim?

    1. Hallo Mel,
      ich kann dich und deine Angst sehr gut verstehen. Ich selbst bin in der Schwangerschaft und bei der Geburt meines Sohnes aus Unwissenheit und Naivität in dieser Spirale gelandet.

      Es gibt auf jeden Fall Alternativen, sehr gute sogar. Du kannst die Vorsorge zb teilweise oder komplett von einer Hebamme machen lassen, du kannst deine Schwangerschaft; wenn du das möchtest, auch vollkommen ohne Vorsorge verbringen. Du musst keine einzige Untersuchung machen lassen oder du machst nur bestimmte (zb die drei Hauptultraschalluntersuchungen).

      Du kannst dein Kind in einem Geburtshaus gebären oder als Hausgeburt mit deiner persönlichen Hebamme bei dir Zuhause. Auch eine Alleingeburt ist, wenn man gut informiert ist, durchaus denkbar und im Gegensatz zu dem, was die Masse und vorallem Klinikpersonal versucht uns einzureden, nicht gefährlicher als eine Klinikgeburt. Im Gegenteil ist die Komplikationsrate und vorallem die Anzahl der Interventionen um einiges geringer. Dazu gibt es auch sehr gute Studien.

      Noch eine Option wäre eine Doula. Das ist eine Geburtsbegleiterin ohne medizinischen Hintergrund. Sie ist nicht nur bei einer Hausgeburt für dich da und liest dir jeden Wunsch von den Augen ab, sie geht bei einer Krankenhausgeburt auch mit in die Klinik und hilft dir dabei, deine Rechte zu wahren.

      Es wäre sehr schade, wenn du dich wegen diesen Umständen gegen ein Kind entscheiden würdest. Nicht nur weil ein Kind das Wundervollste ist, was es gibt, sondern auch weil eine Geburt etwas Wunderschönes und Kraftgebendes sein kann.
      Wenn die Frau die Gelegenheit dazu bekommt und mit ein bisschen NatUrvertrauen?

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