Schweigen brechen – Geburtsbericht meiner traumatisierenden Klinikgeburt

Schweigen brechen – Geburtsbericht meiner traumatisierenden Klinikgeburt

 

Gewalt in der Geburtshilfe passiert jeden Tag und leider sind es keine Einzelfälle. Das sieht man unter Anderem an der regen Beteiligung am Roses Revolution Day, der sich heute am 25. November das 5. Mal jährt.

An diesem Tag legen Frauen in einer weltweiten Aktion unter dem Leitspruch: „Name it – each woman is a rose“  rosafarbene Rosen vor den Kreißsaaltüren nieder, hinter denen ihnen Gewalt angetan wurde.

Viele machen Fotos davon und teilen die Bilder, oft zusammen mit ihren Geburtsberichten, unter dem Hashtag #rosrev bei Facebook, Twitter oder Instagram. Ihr könnt eure Bilder und Geburtsberichte auch an die Facebookseite von Roses Revolution schicken, dort werden sie dann auf Wunsch anonym veröffentlicht (#mylabour).

Macht mit und seid Teil der Roses Revolution, damit sich endlich etwas verändert!

Auch ich habe mich nach 3 Jahren nun entschieden das Schweigen zu brechen und euch heute, anlässlich des Roses Revolution Day, an der Geburt meines Sohnes teilhaben zu lassen. Mir viel diese Entscheidung nicht leicht und als ich mich hinsetzte um den Geburtsbericht zu verfassen wurde ich immer wieder von meinen Gefühlen überwältigt, so präsent sind mir die einzelnen Bilder, Szenen und Gefühle auch heute noch.Ichwachte am 1.10.2014 kurz vor 7 Uhr auf, weil ich das Gefühl hatte ich hab gerade ins Bett gepinkelt. Ich stand auf und ging die Treppen hoch auf die Toilette. Auf jeder Stufe liefen ein paar Tröpfchen an den Oberschenkeln entlang. Zuerst dachte ich: „Bin ich jetzt so kurz vor dem ET(38+1) doch noch inkontinent geworden?“
Auf der Toilette hab ich erst mal meine Blase entleert. Als ich wieder aufstand kam wieder ein Schwall, ich setzte mich hin, nichts mehr. Ich stand auf – wieder ein Schwall. Da dachte ich mir schon, dass das Fruchtwasser ist. Ich war in meiner ersten Schwangerschaft recht uninformiert. Ich hab einfach vertraut, dass jede Frau ein Kind bekommen kann und vertraute vor allem meinem Frauenarzt.


Ich legte mich im Wohnzimmer dann noch etwas hin um mich auszuruhen. Da sich so gar keine Wehen einstellen wollten, aber immer wieder tröpfchenweise Flüssigkeit abging, schrieb ich meinem Mann, er solle doch bitte in seiner Pause schnell zur Apotheke fahren und Urinteststreifen zur PH Bestimmung holen, da diese natürlich auch auf den PH Wert des Fruchtwassers anspringen. Gegen 10 Uhr war er dann da und brachte mir diese Streifen, ging aber gleich wieder, weil seine Pause fasst zu ende war. Ich testete, da aber schon länger keine Flüssigkeit mehr kam, war der Streifen zwar etwas bläulich, aber nicht richtig dunkelblau wie er bei Fruchtwasser sein sollte.  Ich war mir nicht sicher ob ich nun auf mein Gefühl hören sollte (was mir leider im Laufe der Schwangerschaft nach und nach abhanden kam, obwohl ich eigentlich immer ein sehr gutes Bauch- und Körpergefühl hatte) oder mich an die gängigen und mir während der gesamten Schwangerschaft eingebläuten Anweisungen halten sollte.
Ich entschied mich schlussendlich für letzteres und rief meinen Mann Alex an und sagte, ich denke er solle lieber kommen, es ist wohl Fruchtwasser und man soll ins Krankenhaus fahren wenn die Fruchtblase platzt aber keine Wehen kommen wegen der Infektionsgefahr.

Alex war innerhalb von 20 min zu Hause und hatte meine Bestellung dabei: ein Schinken-Käse-Croissant und ein Schokoriegel von der Tankstelle. Ich aß das noch gemütlich und dann gingen wir zusammen duschen.
Ich war völlig entspannt und voller Vorfreude. Mein Mann fragte noch, ob es nicht besser wäre, zuhause zu bleiben bis ich Wehen hätte. Ach hätte ich doch nur auf ihn gehört…ich habe lange gebraucht, mir diese Entscheidung zu verzeihen.

Ich hatte sowohl gelesen, als auch vom Frauenarzt gesagt bekommen, dass man bei Blasensprung unbedingt in die Klinik muss, auch ohne Wehen, um die Infektionsgefahr einzudämmen.
Und so setzten wir uns ins Auto und begaben uns auf den Weg ins Krankenhaus.


Mein Gefühl sagte mir die ganze Zeit, dass das falsch ist, ich wurde immer nervöser, bekam Herzklopfen und wollte nur zurück nach Hause. Aber wie so oft in der Schwangerschaft habe ich mein Gefühl unterdrückt, so sehr wurde ich von Ärzten und meiner Familie verunsichert.


Wir kamen gegen 14 Uhr im Kreißsaal an. Als ich sagte wer ich bin und dass ich Fruchtwasser verliere, wurde ich erst mal ohne Begrüßung recht ruppig von der anwesenden Hebamme gefragt, wie weit ich denn wäre. Als ich sagte : 38+2 kam nur ein Augenverdrehen und ein genervtes: „das ist kein Fruchtwasser…“ Ich sollte dann rein kommen und wurde direkt in einen Raum mit mehreren Liegen zum CTG schreiben gebracht. Ohne irgendwelche Worte wurde ich angewiesen mich auf die Seite zu legen und die Gurte wurden angebracht, die Hebamme ging und wir lagen bzw. saßen dort fast eine Stunde bis sie wieder kam. Ich vermutete schon, dass wir vergessen wurden.
Das CTG zeigte ganz leichte unregelmäßige Wehen, die ich nicht spürte. Was ich aber spürte war, dass ich immer mehr Fruchtwasser verlor. Das sagte ich auch. Daraufhin holte die Hebamme ein Teststäbchen, wies mich an, mich auszuziehen und führte es in meine Vagina ein. Dabei stocherte sie recht schmerzhaft am Muttermund rum. Als sie es wieder raus zog, war es dunkelblau. Da meinte sie überrascht: „das ist ja wirklich Fruchtwasser“ Ach nee…

Wir sollten im Wartezimmer des Kreißsaals platz nehmen, bis meine Beleghebamme, die gerade Dienst hatte, Zeit hätte. Wir warteten ca. eine halbe Stunde. Als sie dann kam wurde Alex mit meiner Krankenkarte zur Anmeldung geschickt und sie ging einen Aufnahmefragebogen mit mir durch. Da wurde mir auch gleich gesagt, dass jetzt ein Zugang gelegt wird, als ich fragte warum, wurden mir irgendwelche Horrorszenarien aufgezählt, was alles passieren könnte und man dann dringend den Zugang bräuchte. Wäre dieser dann nicht da, könnten mein Baby und ich sterben. Gleichzeitig wurde noch eine Flasche mit Antibiotika zur Antibiose wegen dem Blasensprung angehängt, die von nun an alle 8 Stunden wiederholt werden sollte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich so verunsichert, dass ich mich gar nicht mehr traute nachzufragen. Zumal sowieso alles so kommuniziert wurde, als wäre es eh Pflicht und ich könnte da nichts entscheiden.
Also wurde der Zugang gelegt, Blut abgenommen und alles ausgefüllt.
Mir wurde dann gesagt, dass jetzt mittels Cytotec, angeblich einem leichten, nicht schlimmen Wehenmittel eingeleitet wird.
Vor einer Einleitung hatte ich am meisten Angst, hatte ich doch gelesen, dass Einleitungswehen viel schlimmer wären als natürliche. Außerdem wollte ich doch eine natürliche Geburt ohne irgendwelche Interventionen. Da es aber wie gesagt als Pflicht kommuniziert wurde, traute ich mich nicht nachzufragen.

Ich fing an an mir und meinem Körper zu zweifeln…


Ich wurde wieder in den CTG Raum geführt, diesmal sollte ich mich auf einen Sessel setzen. Das CTG wurde angebracht und eine Schwester brachte mir einen kleinen Becher mit Wasser in dem die Cytotec Tablette aufgelöst war.
Das sollte ich trinken und dann würde eine Stunde lang ein CTG aufgezeichnet werden. Ich trank also die Tablette und dann warteten wir. Bereits da hab ich kaum noch geredet, während ich zu Hause noch so gute Laune hatte und mit meinem Mann scherzte, hatte ich jetzt vor allem Angst. Ich fühlte mich unwohl und verlor langsam komplett das Gefühl für mich und mein Kind. Ab diesem Zeitpunkt bewegte sich auch mein Baby nicht mehr. Ich hatte jeglichen Kontakt verloren.

Innerhalb von 20-30 min nach der Einnahme stellten sich regelmäßige, recht unangenehme Wehen im 5 Minutentakt ein. Nach einer Stunde wurde dann das CTG beendet und ich sollte auf mein mittlerweile bereitstehendes Zimmer gehen wo ich dann auch was zu essen bekam. Es hieß, entweder die Wehen würden jetzt heftiger werden oder wir warten bis zum nächsten Morgen und geben dann noch eine Dosis.
Auf dem Zimmer aß ich eine Kleinigkeit und mein Mann und ich unterhielten uns. Alles war so unwirklich und überhaupt nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte.
Irgendwann hieß es, mein Mann müsste abends nach Hause gehen und dürfte nicht bleiben, obwohl mein Zimmer sonst leer war und wir sogar ein Familienzimmer gebucht hatten. Noch etwas was mir Angst machte, ich wollte hier auf keinen Fall alleine sein…mein Mann versicherte mir, dass er nicht gehen würde. wenn sie ihn tatsächlich rausschmeißen bliebe er unten vor der Tür im Auto.
Aber soweit kam es gar nicht…


Gegen 19 Uhr kam eine Schwester rein und meinte, mein Frauenarzt, der in dieser Klinik Belegarzt war, wäre gerade zu einer anderen Geburt da und möchte mich kurz untersuchen.
Ich verstand zwar nicht ganz warum, aber ok, warum nicht? Ich vertraute ihm…

Also gingen wir runter in den Kreißsaal wo wir gleich in ein Gebärzimmer geführt wurden. In dem Moment ahnte ich noch nicht, dass ich diesen Raum bis zum nächsten Morgen nicht mehr verlassen würde…

Kurz danach kam mein Frauenarzt. Schon da war von dem netten und freundschaftlichen Arzt den ich kannte, nicht mehr viel zu sehen. Er war kurz angebunden und ich hatte das Gefühl es ging ihm nur darum hier schnell fertig zu werden.
Er fragte ob ich noch Wehen hätte, ich antwortete ehrlich, dass sie direkt nach Beendigung des CTG komplett wieder weg waren. Dann wollte er noch eine vaginale Untersuchung und meinte nur, das wäre ein guter Befund und dass ich jetzt einen Wehentropf bekomme, begleitet mit den Worten, dass das Kind heute noch kommt.

Das kam mir alles etwas komisch vor. 2 Tage zuvor war ich bei der letzten Vorsorgeuntersuchung bei ihm. Da bestand er auf eine vaginale Untersuchung. Die Untersuchung war ziemlich unangenehm, ja sogar schon schmerzhaft. Daraufhin sagte er, dass wir uns in spätestens 3 Tagen in der Klinik sehen und nun war ich hier. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass er bei dieser Untersuchung heimlich eine Eipollösung gemacht hat.


Das mit dem Wehentropf sagte er schon halb im rausgehen, ich war so perplex und er so schnell weg, dass ich beim besten Willen keinerlei Chance hatte nachzufragen.
Ich bekam Panik, hab meinen Mann gefragt warum ich jetzt einen Wehentropf bekommen soll, dass die Hebamme doch was anderes gesagt hat…Ich hatte mir gewünscht, dass er nachfragt, dass er mich davor bewahrt, war aber nicht in der Lage das so zu kommunizieren und er war selbst so überrumpelt und machte sich Sorgen um mich, dass er selbst nicht reagieren konnte.

Wenn ich verweigere nehmen sie mir mein Kind sofort nach der Geburt web, wenn es nicht vorherstirbt…bäm…das saß…

Etwa eine viertel Stunde später kam dann die Schwester, die den Oxytocintropf legen wollte. Ich fing an zu weinen, ich fragte warum und sagte, dass ich das nicht will. Sie meinte nur, dass bei Blasensprung das Kind innerhalb von 24 Stunden geboren sein müsste. Wenn ich den Tropf verweigere nehmen sie mir mein Kind sofort nach der Geburt weg und bringen es auf die Intensivstation, wenn es nicht vorher schon stirbt…bäm, das saß…ich weinte im Stillen weiter, wohl wissen, dass ich gerade eine natürliche und schöne Geburt endgültig verabschiedete und fügte mich…


Ich wurde ruhig, ich hatte aufgegeben, ich konnte nichts tun und hatte Angst was noch kommen würde.
Der Tropf wurde angehängt und ab da alle halbe Stunde hochgedreht.
Ich wurde gezwungen ab 19 Uhr stundenlang durchgehend am CTG auf der linken Seite zu liegen. Mir tat alles weh, ich hatte eine starke Symphysenlockerung,… aber ich hatte keine Wehen. (im Geburtsprotokoll steht, dass ich ab 20 Uhr wehen hatte und im Geburtsbericht „Patientin kann gut mit dem wehen“, mein Mann meinte das CTG zeigte gelegentlich eine Wehe an) ich spürte wie gesagt rein gar nichts, auch kein hart werden des Bauches und ich spürte seit Stunden auch mein Baby nicht mehr. Das verunsicherte mich erst recht.
Ich bat immer wieder darum, aufstehen zu können, mich bewegen zu dürfen. Immer wieder wurde ich vertröstet. Gegen 22 Uhr war Schichtwechsel und die nun diensthabende Schwester kam rein, setzte sich zu mir und stellte sich vor. Ich fühlte mich zum ersten mal an diesem Tag gesehen. Sie bemerkte meine Angst und redete mir gut zu. Ich nutzte die Chance und sagte nochmal, dass ich aufstehen möchte. Sie meinte sie fragt mal nach, aber es ist eh Schwachsinn und unnötig, dass ich die ganze Zeit da liegen muss. Sie kam dann auch recht schnell wieder und befreite mich vom CTG.
Da ich den Kreißsaal nicht verlassen durfte und das Gestell mit dem Tropf bei mir hatte, war ich natürlich auch so nicht sehr beweglich, aber es war immerhin besser als liegen. Mein Mann und ich liefen also ein wenig im Gang auf und ab. Da ich aber ja noch keinerlei Wehen hatte, verspürte ich jetzt auch nicht unbedingt den Drang mich zu bewegen. Eigentlich wollte ich nur nach Hause, meine Ruhe haben und schlafen. Wir gingen dann wieder in das Gebärzimmer dort setzten wir uns hin und unterhielten uns ein bisschen. Da kam auf einmal ein größerer Schwall Fruchtwasser, sodass wir jemanden riefen, weil nun das Bett nass war und ich nirgends mehr sitzen konnte. Die diensthabende Hebamme (die 3. mittlerweile) kam und verdrehte die Augen. Sie wollte dann kurz vaginal nachsehen in dem Moment platzte die Fruchtblase komplett. Sie meinte nur:“ ach, das hab ich mir gedacht, dass das jetzt passiert“ und stellte gleichzeitig den Wehentropf nochmal höher. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass sie die Fruchtblase platzen ließ. Sie meinte dann noch:“ Ihnen ist schon klar, dass wir sie jetzt wieder flächendeckend mit CTG überwachen müssen?“

Ihr war das ganz recht, dann würde ich endlich nicht mehr ständig nerven, dass ich aufstehen will. Ich sagte, dass ich noch kurz auf die Toilette musste. Dort hatte ich die erste spürbare Wehe, die mich sofort mit voller Wucht traf, es war wie ein unverhoffter Schlag in die „Fresse“. Ich war kaum zurück von der Toilette, da überwältigte mich schon die nächste Wehe, es war keine Minute Pause dazwischen.
Die Hebamme legte das CTG wieder an und so lag ich wieder in dieser Zwangshaltung da.

Was folgte war ein Wehensturm. Ich hatte eine einzige Wehe ohne Pause, sie flachte lediglich etwas ab um dann zugleich mit voller Wucht wieder zuzuschlagen. Ich wusste nicht mehr was ich machen sollte und in dieser Zwangshaltung wurde es schier unerträglich. Ich sagte meinem Mann völlig resigniert, dass ich nun doch eine PDA möchte. Den ganzen Abend versuchte man mir schon eine aufzudrängen, jedes mal wenn ich aufstehen wollte. Mein Mann wusste, dass ich auf keinen Fall eine PDA wollte und so fragte er mehrmals nach, bis er klingelte. Die Hebamme grinste nur süffisant als sie das hörte und rief den Anästhesisten. Dieser kam und schickte erst mal meinen Mann weg meine Krankenkarte zu holen, völlig überrumpelt und voller Sorge ging er natürlich. Jetzt war ich allein mit ihnen und konnte nichts ausrichten.

Ich sagte, dass ich mir nicht sicher bin und eigentlich lieber doch keine PDA hätte. Die Hebamme meinte daraufhin, dass der Anästhesist jetzt schon extra aufgestanden wäre, also wird das jetzt auch gemacht, gleichzeitig jagte sie mir eine Spritze durch den Zugang, sie meinte das würde die Schmerzen beim Einstich lindern. Ich weiß bis heute nicht was das war, ich weiß nur, dass mir plötzlich schwindelig und schlecht wurde, ich bekam Schüttelfrost und fühlte mich wie in Watte gepackt. Als mein Mann wieder kam, war ich nicht in der Lage ihm mitzuteilen, dass ich gar keine PDA will. Ich konnte mich nur fügen, also setzte ich mich an den Bettrand, gestützt von meinem Mann und rundete den Rücken so gut es unter Wehen halt ging. Mir war so unglaublich schlecht.

Das die PDA nicht wirkte, glaubte mir niemand


Der Anästhesist brauchte 3 Anläufe bis die Nadeln endlich „richtig“ saß. Richtig war es dennoch nicht, ich spürte rechts weiterhin alles in gleicher Intensität, dafür konnte ich nicht mal mehr mein Becken anheben. Das glaubte mir nur niemand und der Wehentropf wurde abermals höher gedreht und alle verließen wieder den Raum. Ich kämpfte mit Schwindel, zitterte immer mehr und versuchte irgendwie mit den nun einseitigen Wehen klar zu kommen. Etwa eine Stunde später merkte ich, dass die Wehen zunehmend im unteren Rücken zu spüren waren und sich dort ein sehr starker Druck aufbaute, der zumindest angenehmer war, als die pausenlosen Wehen vorher. Zu der Zeit war ich schon an dem Punkt, dass ich das alles einfach schnell hinter mich bringen wollte.
Kurz darauf kam die Hebamme und fragte, ob sich die Wehen veränderten, ich sagte ihr, dass ich nun einen starken Druck im Rücken verspürte. Daraufhin wurde mal wieder relativ grob vaginal untersucht, sie gab mir recht und meinte, sie würde die Vertretungshebamme meiner Beleghebamme wecken. Diese wollte dann, dass ich mich auf die andere Seite lege und sagte ich könne ja mal versuchen mit zu schieben…auf der Seite liegend ans Bett gefesselt…na klar…
Sie meinte das Baby würde bald kommen daher würde jetzt mein Frauenarzt verständigt werden.

Etwa eine halbe Stunde später rannte mein Frauenarzt ins Zimmer, schon recht genervt, war es doch schon nach Mitternacht, er wollte das Kind schließlich vorher auf der Welt haben und meinte nur süffisant zu mir: „ach, wolltest jetzt doch eine PDA“
Ich sollte mich sofort auf den Rücken legen um schon wieder vaginal untersucht zu werden ich sollte meine Beine komplett an die Brust ziehen und mit aller Kraft pressen, teilweise zwischen den Wehen. Dass ich Wehen spürte und durchaus Pressdrang hatte, weil die PDA nicht richtig wirkte glaubte mir ja niemand. Plötzlich hieß es, Arzt und Hebamme würden jetzt etwas mithelfen… ich hab nur noch die Augen zu gemacht, ich wollte nichts mehr sehen und hoffte nur, dass ich da irgendwie lebend wieder raus komme.


Meine Beine wurden links und rechts in zwei Halterungen geschnallt. Der Arzt setzte zum Dammschnitt an, zwischen zwei Wehen, ich spürte das Blut runter laufen und spürte den Schmerz, dann stemmte sich die Hebamme mit den Knien neben mir ins Bett und legte sich fast komplett auf meinen Bauch und drückte mit aller Gewalt nach unten, gleichzeitig wurde eine Saugglocke angesetzt, mit der der Arzt 2 mal abrutschte, was mir einen Scheidenriss bis zur Gebärmutter verschaffte, ich hatte furchtbare Schmerzen.

Das ganze Erlebte ich nur noch wie durch einen Vorhang, wie in Watte verpackt. Ich sah mich teilweise von Oben und hatte das Gefühl, ich bin nur eine Zuschauerin, gleichzeitig hab ich jeden Moment und vor allem diese unsagbaren Schmerzen vollkommen bewusst wahrgenommen.

Mittlerweile weiß ich, dass sich das was ich da erlebte Dissoziativer Zustand nennt. In einem als lebensbedrohlich wahrgenommenen Ereignis, das die eigenen Bewätigungsmöglichkeiten übersteigt und die betroffene Person mit Gefühlen der Hilflosigkeit und intensiver Angst überflutet und keine Flucht möglich ist, schaltet der menschliche Organismus auf Überlebensstrategien um, er erstarrt (ähnlich dem Totstellreflex) und dissoziiert.

Ich dachte nicht nur ch würde sterben, ich wollte es

Mir war schwindlig und ich hatte wieder Schüttelfrost, ich dachte nicht nur ich würde sterben, ich wollte es!
Ich dachte, nachdem ich mein Baby seit Stunden nicht gespürt hatte, dass ich es vielleicht gleich mitnehmen kann und das alles endlich ein Ende hatte.


Und dann hörten sie plötzlich auf…kurz danach hörte ich ein Baby weinen… ich hatte meine Augen immer noch geschlossen und fing an zu weinen, mir liefen die Tränen über die Wangen und ich wurde regelrecht von den Tränen geschüttelt. Ich weinte weil ich scheinbar doch noch lebte, aus Erleichterung und gleichzeitig Verzweiflung, ich weinte und wollte nie wieder meine Augen öffnen. Irgendwann meinte dann die Hebamme: „Sie müssen schon mal die Augen auf machen“. Ich öffnete die Augen und sah auf die Uhr, es war 4:10Uhr. Später erfuhr ich, dass mein Sohn um 4:04 geboren wurde, ich lag also noch 6 min mit geschlossenen Augen und weinend auf dem Bett.
Bis ich mein Baby endlich auf den Arm bekam war es gewaschen und roch nach Penaten Babyöl… es ist seltsam aber das ist mir am schlimmsten in Erinnerung. Mir wird heute noch schlecht, wenn ich diesen Geruch in der Nase habe.

Dieses Kind da in meinem Arm, das war nicht mein Baby, es roch nicht nach meinem Baby, es war irgendein Kind, aber nicht meins. Meins wurde einfach aus mir raus gerissen…Ich habe lange gebraucht mein Baby mit dem Baby das ich jetzt im Arm hielt in Verbindung zu bringen…Heute habe ich eine sehr tiefe und innige Bindung zu meinem Sohn, aber der Weg dahin war alles andere als leicht.

Ich dachte wirklich, jetzt sind die Qualen vorbei…ich war so naiv…
Mit meinem Baby auf dem Arm wurde ich schließlich genäht, ohne Betäubung. Der Schnitt wäre zu tief, da würde die Betäubung eh nicht helfen, hieß es. eine 3/4 Stunde lang dauerte die Prozedur.Bei jedem Zucken und jeder Träne von mir wurden die Augen gerollt.

Mein Baby war selbst total benommen, er hat in den ersten 24 Stunden kein einziges mal die Augen geöffnet…

Ich selbst hatte noch wochenlang wahnsinnige Schmerzen am Damm und in der Vagina, Rippenschmerzen bei jedem Atemzug, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. 8 Monate hat es gedauert, bis an Geschlechtsverkehr überhaupt wieder zu denken war, insgesamt über ein Jahr dauerte es, bis dies wieder schmerzfrei ging und nochmal fast 1 1/2 Jahre bis mich mein Mann wieder am Damm berühren durfte ohne dass ich zusammen zuckte und mir Tränen in den Augen standen, etwa genauso lang, bis ich breitbeinig vor ihm liegen konnte, ohne die Geburt vor Augen zu haben…
Schmerzen an der Einstichstelle der PDA habe ich heute nach 3 Jahren noch gelegentlich.

naturvertrauen
2 Tage nach der Geburt, gerade Zuhause angekommen, nachdem ich mich selbst entlassen habe


Ich werde die Geburt meines Sohnes niemals vergessen, nur hat dies für mich eine ganz andere Bedeutung als es sein sollte – der Geburtstag meines Sohnes war der schlimmste Tag meines Lebens und hätte ich meinen Mann in der schwierigen Zeit nach der Geburt nicht gehabt, wäre ich heute mit Sicherheit nicht mehr hier…

weitere Informationen zur Gewalt in der Geburtshilfe:

Roses Revolution Deutschland auf gerechte Geburt

Roses Revolution auf Facebook

Roses Revolution Englisch

Human Rights in Childbirth

Risiko Schwangerschaft – nichts mit guter Hoffnung

Risiko Schwangerschaft – nichts mit guter Hoffnung

die Pathologisierung der Schwangerschaft 

Das deutsche Gesundheitswesen hat schon lange nichts mehr mit der Versorgung kranker Individuen zu tun, es geht zunehmend ums Geschäft. Und womit lässt sich mehr Geld machen als mit der Angst der Patienten?

Sehr lukrativ sind hier natürlich schwangere Frauen, deren Sicherheitsbedürfnis, Ängste und Sorgen perfekt auf die Werbestrategien des Gesundheitsmarktes anspringen. Dass die umworbenen Versprechen meist kaum wissenschaftlich fundiert sind und Ärzte oft nichtmal wissen, was sie da eigentlich tun, ist dabei erstmal zweitrangig.

Die schwangeren Frauen vertrauen, gerade beim ersten Kind, lieber den Ärzten als ihrer Intuition. Beworbene Artikel wie Schwangerschaftstee, Stilltee, Cremes oder Vitaminpräparate werden bereitwillig gekauft. Schließlich will man ja nur das Beste für sein Kind. Geholfen ist damit höchstens den Herstellern.

Nicht nur die Sorge um das Kind bringt Frauen dazu sich zb für Pränatal-Diagnostik zu entscheiden, sondern auch die immer weiter verbreitete Meinung, dass die Geburt eines kranken Kindes an vernachlässigter Vorsorge und somit an der verantwortungslosen Mutter liegt. In einer Leistungsgesellschaft ist nunmal kein Platz für kranke Kinder und so wird ihnen von der Gesellschaft jedes Recht auf Leben abgesprochen. 

Die in den meisten Fällen voreilig getroffene und übertriebene Einstufung als Risikoschwangere tut ihr übriges. Der Ultraschall, der mittlerweile verharmlosend „Babyfernsehen“ genannt wird gehört längst bei jeder Vorsorgeuntersuchung, die im Normalfall im 4 Wochen Rhythmus stattfinden, zum guten Ton. Dazu kommen Labortests, Urin- und Gewichtskontrollen, im letzten Drittel oft alle 2 Wochen (zum Ende der Schwangerschaft manchmal sogar täglich) ein CTG und unzählige vaginale Untersuchungen.

Guter Hoffnung ist längst kaum eine Schwangere mehr.

Am Ende hat man völlig erschöpfte Schwangere, die schon vor der Geburt ihrer Kinder gestresst und zutiefst verunsichert sind. 

Alles was diese Frauen dann brauchen ist Ruhe und ein bisschen Vertrauen. Aber wie soll man einem Körper denn vertrauen und vorallem so etwas gewaltiges wie eine Geburt zutrauen, einem Körper der einen doch anscheinend schon in der Schwangerschaft im Stich gelassen hat, mit dem man ohne die vielen Untersuchungen und die ärztliche Hilfe wahscheinlich gar nicht erst bis zum Ende der Schwangerschaft gekommen wäre?

Der Körper weiß doch gar nicht was er tut!

Wenn die Frau am Anfang ihrer Schwangerschaft vielleicht sogar noch ein bisschen Vertrauen hatte, hat sie spätestens bis zur Geburt jegliches Gefühl für ihren Körper und das Wohlergehen ihres Kindes verloren. 

So ist es dann nicht nur nicht verwunderlich, sondern sogar die einzige logische Konsequenz, dass das letzte bisschen Selbstbestimmung an der Kreißsaaltüre abgegeben wird, natürlich wieder zum Wohle des Kindes. Was denn sonst? Und im Kreißsaal geht es dann munter weiter mit den sehr überzeugenden Verkaufsstrategien der medizinischen Fachkräfte, die nicht selten dazu führen, dass eine völlig zertörte, frisch gebackene Mama und ein traumatisiertes Baby zurück gelassen werden.

Nur sagen darf die Frau das nicht, wo kommen wir denn da hin? Froh und glücklich sein soll sie. Haben die Ärzte, Schwestern und Hebammen ihr und ihrem Kind doch das Leben gerettet, nach dem die Natur und ihr Körper offensichtlich nicht im Stande waren ein Kind auf die Welt zu bringen.

Gewalt in der Geburtshilfe ist längst Alltag

Dass die meißten Interventionen in Kliniken haus gemacht sind und die Menschheit wohl schon längst ausgestorben wäre, wenn tatsächlich bei über 30% der Geburten ein Kaiserschnitt wirklich nötig wäre, interessiert hier niemanden. Nur 5% aller Geburten in Deutschland verlaufen ohne Interventionen. Will man uns wirklich weiß machen, dass 95% der Frauen nicht dazu in der Lage sind, ein Kind zu gebähren?

Wir sind Göttinnen

Es wird Zeit, dass wir uns wieder daran erinnern was wir sind! Wir sind Göttinnen, dazu gemacht Leben zu erschaffen. Wir müssen aufhören, uns von anderen (komischerweise größtenteils Männern) einreden zu lassen, dass wir fehlerhaft sind. Das sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir sind perfekt! Perfekt dazu geeignet, ein Leben in uns wachsen zu lassen, es zu gebären, zu nähren und zu beschützen.

Das Einzige, was wir dafür brauchen ist ein bisschen

NatUrvertrauen