Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

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Fremdbetreuung oder Selbstbetreuung? Bei dieser Frage kommt es nicht selten zu heftigen Diskussionen.

Eltern die ihre Kinder zur Tagesmutter geben oder in einer Krippe/Kita betreuen lassen, fühlen sich in den allermeisten Fällen schon allein von dem Wort „Fremdbetreuung“ angegriffen. Es wären ja gar keine fremden Leute die da auf das Kind aufpassen, man lernt sie schließlich vorher kennen. Mal abgesehen davon, dass man nach ein paar Wochen Eingewöhnung definitiv nicht von kennen sprechen kann, ist es nun mal auch der Fachbegriff dafür was es halt einfach ist.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder

In Wirklichkeit sind es eher die Eltern bzw. Mütter die ihre Kinder selbst betreuen, die stark kritisiert werden. Übermutter, Hartz4, sich aushalten lassen, NUR Hausfrau,… das sind nur einige der Begriffe die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. Nur weil man sein Kind nicht von anderen, ja in der Tat Fremden erziehen lassen will.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder. Für eine sichere Bindung braucht ein Kind einen sicheren Hafen in Form seiner Mutter / seiner primären Bezugsperson (der Einfachheit halber ist im weiteren Text nur von der Mutter die Rede), aber mit Sicherheit nicht den Alltag in einer Aufbewahrungsanstalt.Viele Psychotherapeuten, Ärzte und Forscher sind sich einig: Säuglinge und Kleinkinder brauchen die ständige Anwesenheit der Mutter.

In der Bindungsforschung ist schon lange klar, dass die Mutter – Kind – Bindung, hingegen landläufiger Meinung, unersetzbar ist um ein optimales Gedeihen und die psychische Gesundheit eines Kindes sicher zu stellen. Dr. med. Karl Heinz Brisch, John Bowlby, Jean Liedloff und Prof. Dr. Gerald Hüther sind wohl die bekanntesten Namen derer, die sich diesem Thema widmen.

 Könnte man in Anbetracht dessen nicht warten bis die Kinder freiwillig ein paar Stunden mit anderen Kindern spielen möchten, was meist mit 3 bis 4 1/2 Jahren der Fall ist? Warum stellen manche Mütter ihre Arbeit und „Zeit für sich“ über die Grundbedürfnisse ihrer Kinder? Kann eine Mutter sich nicht für ein paar wenige Jahre ihres Lebens zurück nehmen um voll und ganz für ihre Kinder da zu sein und ihnen somit eine starke und gesunde Basis für ihr ganzes Leben mitzugeben?
Viele werden jetzt sagen, dass nun mal nicht jeder die Wahl hat, dass viele arbeiten müssen, da das Geld sonst nicht reicht.  Ich sage, es gibt (zumindest in Deutschland) fast immer einen Weg. 3 Jahre Elternzeit stehen hier jedem zu. Wie viel Geld bleibt von dem Verdienten am Ende bei vielen denn wirklich übrig, wenn man die Kosten für die Kinderbetreuung und Benzinkosten um das Kind in die Kita zu bringen und selbst zur Arbeit zu kommen abzieht? Braucht man wirklich ein Haus mit Garten von dem niemand was hat, weil man nur die Nächte dort verbringt oder zwei Autos? Wäre das Kind in einer 2 Zimmer Wohnung ohne Garten, dafür bei Mama nicht viel glücklicher?

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat und das gleich in zweifacher Weise. Mütter werden als billige Arbeiter mobilisiert und die nächste Generation wird oft genug noch in den Windeln liegend seelisch gebrochen. Hier der Brief einer Mama, die sich zu den jüngsten Vorfällen in einer berliner Kita äußert. Die perfekten unreflektierten Jasager und Soldaten von morgen.
Eine Kindergartenpflicht wird längst diskutiert, der Staat maßt sich an, sich als besseren Erzieher unserer Kinder hinzustellen und Tritt unsere Rechte mit Füßen. Und wir? Wir lassen es uns gefallen und fallen auf den Deckmantel der Selbstbestimmung und Gleichberechtigung rein. Schöne neue Welt – kennt ihr das Buch von Aldous Huxley? Solltet ihr mal lesen. Weit sind wir nicht mehr davon entfernt.
„Aber mein Kind hat doch Spaß dort, es ist glücklich, am Abend vom Spielen mit seinen Freunden zufrieden und müde und außerdem: Jedes Kind ist anders.“ So oder so ähnlich klingen die Argumente der Befürworter der Fremdbetreuung. Das Kind geht ja schließlich freiwillig. Tut es das? Oder hat es zum Ende der Eingewöhnung ( die es, wäre es wirklich freiwillig dort, gar nicht bräuchte) einfach nur aufgegeben und sich seinem Schicksal gefügt? Das Heimweh und die Tränen sieht die Mutter nicht und am Abend erzählt die Erzieherin was die, von der Arbeit müde Mutter hören will: „Alles ok , klein Lisa hatte Spaß“.

 

Jeder Instinkt in uns schreit, dass das nicht richtig sein kann. Kinder die von ihrer Mutter getrennt werden, stehen unter enormen Stress und der ist bewiesenermaßen auch für uns Erwachsene alles andere als gesund. Ein kleines Kind kann die Zeit noch nicht abschätzen, ein paar Minuten können sich schon wie Stunden anfühlen, ein Tag im Kindergarten wie eine Ewigkeit. Die Kinder sind dabei meist nicht mal auffällig, im Gegenteil weinen sie oft äußerst selten, sind ruhig und angepasst. Im Erwachsenenalter entwickeln diese Kinder jedoch auffallend oft ausgeprägte Trennungsängste.

Der Cortisolspiegel erhöht sich bei fremdbetreuten Kindern unter 3 Jahren dauerhaft, das Urvertrauen wird empfindlich gestört, der Stress schadet nachweislich der Gehirnentwicklung. Zu diesen Ergebnissen kommen unter anderen die zwei großen Krippenstudien NICHD Study of Early Child Care and Youth Development und die Wiener Kinderkrippenstudie WiKi. Verhaltensänderungen werden laut Bowlby von den Eltern oft nicht mit der Fremdbetreuung in Verbindung gebracht, die Kinder in ihrer Not also nicht gesehen. Mangelnde Sozialkompetenz, Empathie sowie Bindungs- und  Persönlichkeitsstörungen sind nur wenige der möglichen Folgen der Fremdbetreuung.

Aber was ist denn mit dem oft zitierten afrikanischen Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen“? Ganz einfach: das ist kein Widerspruch! Das braucht es auch. Mütter die vollkommen mit ihren Kindern auf sich allein gestellt sind, das ist genauso unnatürlich, wie die Fremdbetreuung. Wir haben schon immer im Clan oder einer Großfamilie zusammen gelebt. Die Kinder wurden natürlicherweise von allen gemeinsam großgezogen und die Mutter bei ihren Aufgaben unterstützt.

Zwischen diesen beiden Dingen gibt es jedoch einen grundlegenden Unterschied: die Mutter war greifbar, das Kind wurde nicht von der Mutter getrennt, sondern der Mutter das Leben mit Kind ermöglicht. Dafür sollten wir kämpfen, nicht für noch mehr Krippenplätze.

Desweiteren „waren die betreuenden Personen in der Regel Teil eines mit der Mutter eng und persönlich verbundenen sozialen Netzes“ (Herbert Renz-Polster). Und genau darauf ziehen Portale wie z.B. kindergartenfrei.org ab. Die Mütter/Familien dort helfen sich gegenseitig und vernetzen sich. Ganz nach dem Motto:

“ Kinderbetreuung ist Familiensache!“

Quellen:
Bücher
Online

Late Talker – was ist das?

Late Talker – was ist das?

Warum wir aufhören sollten unsere Kinder zu pathologisieren

Late Talker – was ist das? Warum werden schon Babys und Kleinkinder in Schubladen gesteckt? Warum darf ein Kind nicht einfach ein Kind sein?

Ist es denn tatsächlich so wichtig wann ein Kind läuft, spricht, isst oder auszieht?

Was ist normal?

Warum werden Kinder heute von Geburt an pathologisiert? In Deutschland, wie auch den meißten anderen Ländern, geht man grundsätzlich davon aus, dass ein Kind krank ist oder mit ihm zumindest etwas nicht stimmt, wenn es in irgendeiner Hinsicht nicht der Norm entspricht. Aber was überhaupt ist die Norm? Wer hat diese Norm definiert ?

Wir könnten uns mal eine Scheibe bei den Niederländern abschneiden. Dort gilt ein Kind nämlich grundsätzlich als gesund, solange das Gegenteil nicht einwandfrei bewiesen wurde.

20 Prozent der Kinder sind angeblich nicht normal

20 Prozent der Kinder in Deutschland werden als sogenannte Late Talker bezeichnet. Wenn ein Kind mit 2 Jahren keine 50 Wörter sprechen kann, zählt es per Definition zu den „späten Sprechern“.  Die Hälfte von Ihnen holt von allein auf, die andere Hälfte wird ohne Hilfe immer sprachliche Defizite haben (sagt man).

Aber woher will man das denn wissen, wenn man es ja gar nicht darauf ankommen lässt? Ich bin wirklich kein verfechter von „früher war alles besser“,wir haben vieles an dem heutigen bedürfnisorientierteren Umgang mit Kindern, wissenschaftlichen Studien zu verdanken. Aber in diesem Fall muss ich es doch mal sagen: Früher wurde auch nicht jedes Kind, dass sprachlich nicht der Norm entsprach, zum Logopäden, in einen integrativen Kindergarten oder sonst wohin geschickt und dennoch können die allermeißten Erwachsenen ganz normal sprechen.

Niemand würde bei einem Kind, dass mit 10 Monaten schon mehrere Wörter spricht, sagen: „Ohje, das ist viel zu früh, da müssen wir doch was machen!“

Wer sagt denn überhaupt, dass Kinder die mit 2 Jahren nicht die geforderten 50 Wörter sprechen, wirklich spät dran sind? Wenn es doch 20 Prozent der Kinder betrifft, ist es dann nicht viel wahrscheinlicher, dass es nur eine andere Variante der Norm ist? Ähnlich der Größe und dem Gewicht eines Kindes?

Ist es nicht vollkommen absurd, eine Wörterliste abzufragen, weil man der Meinung ist, Kinder müssten in einem bestimmten Alter auch bestimmte Wörter sprechen? Was ist, wenn in der Familie, aus welchem Grund auch immer, nie Ball gespielt wird und das Kind daher auch noch nie einen gesehen hat? Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind das Wort Ball sagen kann, ist in diesem Fall gleich Null. Oder wenn bestimmte Wörter die zwar normaler, alltäglicher Sprachgebrauch sind, in einer Familie einfach nicht genutzt werden? Was sagt das dann über die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes aus? Richtig, rein gar nichts.

Was Kinder können ist nicht wichtig, nur was sie nicht können zählt

Entwickelt sich ein Kind durchschnittlich ist alles gut, alle sind zufrieden und stolz, aber wehe ein Kind fällt auch nur in einer einzigen Sache aus dem Rahmen …

Obwohl wir Erwachsenen auch nicht alle das Gleiche gleich gut können, wird das von Kindern sehr wohl erwartet.

Das Kind kann krabbeln und stellt sich hin, es läuft frei, läuft Treppen hoch und runter,  hüpft auf dem Trampolin und versucht zu schwimmen, löst Memories und versteht jedes einzelne Wort, ist sehr empathisch, glücklich und wahnsinnig ausgeglichen, schneidet Obst und Gemüse, schmiert sich Butter aufs Brot und isst Suppe perfekt mit dem Löffel.

Aber das ist alles vollkommen egal und zählt nicht. Warum? Ganz einfach. Es spricht nicht, das Kind kann nicht normal sein.

Mein Sohn sagt mit 2 ½ Jahren in etwa 20 Wörter

und ist von Zwei-Wort-Sätzen meilenweit entfernt. Es liegt nicht an den Ohren, er hört super und versteht auch jedes Wort und kann umsetzen was man sagt.

Eltern und Kinder werden in Schubladen gesteckt

Er ist zurückgeblieben und braucht Frühförderung sagen die einen, die anderen sagen er wäre nur faul und ich müsste einfach von ihm verlangen zu sprechen. Wenn er nichts mehr zu essen bekommt, solange er nicht sagt was er will, wird er schon anfangen zu reden.

Wieder andere sagen, es wäre meine schuld, ich hätte mich bestimmt nicht genug um mein Kind gekümmert, rede zu wenig mit ihm, spiele nicht mit meinem Kind und habe es bestimmt von klein auf vor dem Fernseher geparkt.

Und weißt du was?

Ja, mein Sohn sitzt schon mal vor dem Fernseher und ja, ich nehme mir auch mal die Zeit einen Kaffee zu trinken, während er sich alleine beschäftigt.

Aber ich erzähle und singe auch seit seiner Geburt jeden Tag, ich erkläre ihm die Welt und lese ihm vor, das eine schließt nämlich das andere nicht aus.

Ich unterhalte mich auch mit ihm, denn ich verstehe ihn durchaus, auch wenn seine Artikulation zum Großteil aus ja, nein, Mama und Papa besteht. Und nein, ich werde niemals so tun als würde ich es nicht, nur damit er endlich zum reden anfängt.

Er kann es einfach nicht, noch nicht

Denn mein Kind ist nicht faul und nein, mein Kind ist auch nicht dumm, er kann es einfach nicht, noch nicht. Er ist nunmal momentan mit anderen Dingen beschäftigt. Erwachsene können auch nicht mehrere wichtige Dinge gleichzeitig lernen. Irgendwann ist die Sprache dran und dann wird es genau den Leuten, die jetzt meckern, dass er nicht spricht, ein Dorn im Auge sein, dass er zu viel spricht.

Denn man kann es Außenstehenden nicht recht machen, sie finden immer etwas.

Aber man kann es seiner Familie und seinem Kind recht machen. Indem man sieht was es schon kann und nicht was es noch nicht kann. Indem man stolz ist wenn es mit 8 Monaten aufsteht und genauso wenn es mit 3 Jahren zu sprechen anfängt.

Denn unsere Kinder sind keine Statistiken , keine Normkurven und auch kein Durchschnitt.

Unsere Kinder sind unsere Kinder und jedes ist auf seine eigene weiße etwas ganz Besonderes.