mit Kleinkind und schwanger 2 Monate nach Thailand

mit Kleinkind und schwanger 2 Monate nach Thailand

Mehr als die Hälfte unseres Thailandaufenthaltes ist mittlerweile schon vorbei und was soll ich sagen? Diese Reise war wohl eine der besten Entscheidungen unseres Lebens.

Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht ob das, gerade schwanger, so eine gute Idee ist und jedes Mal wenn man sich gerade sicher ist lassen die Ängste anderer einen wieder zweifeln. Sie meinen es nicht böse, ganz klar. Eher im Gegenteil. Unsere Lieben machen sich einfach Sorgen um uns. Da sitzen einfach auch in ihnen Ängste. Auffallend ist vor allem, dass die meisten Warnungen und Ängste von denjenigen kommen die selbst noch nie in Thailand waren- das große Unbekannte ist wohl das, was uns allen am meisten Angst macht.

Wir haben uns in den letzten 3 Jahren sehr verändert und diese Veränderung hat mittlerweile schon zu einigen Entscheidungen geführt die unser Umfeld nicht ganz nachvollziehen kann. Und wir haben immer mehr festgestellt, dass es uns erstens nichts bringt uns (meist irrationale) Angst machen zu lassen und dass wir zweitens immer am besten wissen, was gut für uns ist. Und so warfen wir auch diesmal die Ängste über Bord und buchten unsere Flüge nach Bangkok.

Und nun sitze ich hier zwischen den Kokospalmen und höre das Meer rauschen. Verschiedene Tiergeräusche dringen vom Dschungel zu mir herüber, die Sonne scheint und meine zwei Männer vergnügen sich im Pool der direkt vor unserer Terrasse liegt. Es ist einfach ein Traum hier und irgendwie auch etwas unwirklich, dass wir tatsächlich hier sind und uns den Winter über die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Thailand Koh Ma

Natürlich haben wir uns auch Gedanken gemacht was wir alles brauchen, auf was ich als schwangere eventuell zusätzlich achten muss und welche Gefahren wirklich ganz real sind.

Wir haben uns erkundigt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass vieles einfach Panikmache ist. Gerne erkläre ich euch  mal ein bisschen, wie wir die meistdiskutierten Punkte hier handhaben:

Gepäck:

Wir haben hier sehr viele Familien gesehen, die zu viert mit 4 großen Koffern und 4 mal Handgepäck angereist sind. Ist natürlich möglich und wahrscheinlich auch beruhigend in jeder Lebenslage alles griffbereit zu haben. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und gingen sogar noch einen Schritt weiter. Wir sind zu dritt ausschließlich mit Handgepäck angereist. 2 Rucksäcke und einen Trolley mit insgesamt ca. 18 Kilo. Kleidung und auch alles andere kann man zur Not vor Ort sehr günstig bekommen.

Eine genaue Packliste, was wir alles mitgenommen haben findet ihr hier: Packliste Thailand

Impfungen und Malariaprophylaxe:

Impfen ist ein schwieriges und heiß diskutiertes Thema. Wir haben uns nach ausführlicher Recherche aufgrund der Inhaltsstoffe und möglichen Nebenwirkungen, sowie aufgrund der Erkrankungswahrscheinlichkeiten und Behandlungsmöglichkeiten gegen sämtliche Impfungen entschieden.

Auch eine Malariaprophylaxe fanden wir aufgrund der oben genannten Gründe für uns nicht sinnvoll.

Nicht zu impfen ist in Deutschland erlaubt und die Entscheidung sollte sorgfältig abgewogen werden. Wir empfehlen jedem, sich in beide Richtungen ausführlich zu informieren.

der Flug:

Gerade als Schwangere soll man ja verstärkt auf eine ausreichende Thromboseprophylaxe achten. Meine Prophylaxe bestand ganz einfach darin, dass ich immer wieder meine Beine bewegt habe, die Füße kreisen lies und die Venenpumpe aktiviert habe. Gelegentliches im Gang auf und ab laufen ist natürlich auch nicht schlecht.

Gegen Thrombosestrümpfe habe ich mich ganz bewusste entschieden, da ich in der letzten Schwangerschaft mehr Probleme als Nutzen durch sie hatte und sie auch recht schnell in die Ecke geschmissen habe. Ich muss aber dazu sagen, dass wir keinen Direktflug hatten, sondern unser Flug auf zwei Flüge mit je ca 5 1/2 Stunden aufgeteilt war mit einem 5 Stunden Aufenthalt in Dubai, bei dem ich mich sehr viel bewegen konnte. Ansonsten hatten wir bei unserem Emirates Flug auch wirklich viel Beinfreiheit, was das ganze natürlich auch vereinfacht hat.

Das Essen war sehr gut und viel und bei Emirates kann man bis 48 Stunden vor dem Flug nicht nur ein Kindermenü auswählen, sondern auch unter ca. 15 verscheiden Menüs das Essen aussuchen. Vegetarisch, vegan, glutenfrei, Obstplatte,… eigentlich ist wirklich für jeden etwas dabei. Wenn man nichts wählt, kann man an Board dann aus zwei Gerichten, im Normalfall beide mit Fleisch oder Fisch, auswählen.

Jetlag:

Ich muss zugeben, die ersten zwei bis drei Tage waren ziemlich durchwachsen. Was allerdings auch an dem langen Aufenthalt in Dubai lag. Dazu kam, dass wir, da unser Shuttle nicht wie vereinbart da stand, erst gegen Mitternacht im Hotel in Bangkok ankamen und am nächsten Morgen um 5 schon wieder zum Flughafen mussten um nach Koh Samui weiter zu fliegen.

Gerade für Jamie war die lange Reise sehr Aufregend und und auch das ungewohnte Klima machte ihm die ersten Tage zu schaffen. So lagen wir 3 Tage eigentlich erst mal fast nur im Bett und haben viel gekuschelt, da er auch immer wieder fieberte. Nach den drei Tagen war aber alles wieder ok und wir können seitdem unseren Aufenthalt richtig genießen.

Sauberkeit und Infektionen:

Das ist wohl das am kontroversesten diskutierte Thema im Internet wenn es um Thailand geht. Natürlich ist hier einiges, gerade was die Müllbeseitigung angeht anders als bei uns. Die Unmengen angespülten Mülls an den Stränden und die Berge von Müll hinter den Häusern, können im ersten Moment schon ein kleiner Kulturschock sein. Und ich möchte nicht behaupten, dass es so etwas wie völlig verdreckte Küchen oder Toiletten ohne jegliche Spülung nicht gibt. Jedoch sind die meisten Thais schon auch auf eine gewisse Hygiene bedacht. Der Müll in und rund um viele Restaurants ist nicht unbedingt ein Zeichen von mangelnder Hygiene, es mangelt schlicht an Möglichkeiten den Müll zu beseitigen. Die Küchen und auch Toiletten sind dennoch in den allermeisten Fällen sehr sauber und die Lebensmittel gut gekühlt.

Das einzige bei dem wir wirklich drauf achten, ist das unser Trinkwasser aus verschlossenen Plastikflaschen kommt. Das Leitungswasser ist aufgrund schlechter Reinigung und großer Keimbelastung wirklich nicht zu empfehlen. Bei Eiswürfeln in Getränken sind wir hingegen ganz locker. Die Wahrscheinlichkeit, das jemand seine Eiswürfel aus Leitungswasser herstellt ist doch sehr gering. Meist kommen sie abgepackt aus dem Supermarkt.

Ansonsten ist es eigentlich immer ein guter Rat sich an die Restaurants und Garküchen zu halten, die auch von den Thais selbst besucht werden. Denn auch die Thais legen keinen Wert auf eine Lebensmittelvergiftung. Dazu bekommt man dort auch noch das authentische Essen. Da könnte höchstens noch der Schärfegrad Probleme machen, bei dem auch „nicht scharf“ gerne mal Waldbrände verursachen kann.

Obst haben wir Anfangs mit Trinkwasser abgewaschen, mittlerweile stecken wir uns die Früchte meist einfach so in den Mund, wenn sie nicht gerade wirklich schmutzig aussehen. Der Körper gewöhnt sich unheimlich schnell an die fremden Keime und Bakterien, wenn man ihn lässt, was wiederum unser Immunsystem stärkt. Bis auf etwas Bauchgrummeln in den ersten Tagen, hatten wir bissher noch keine Probleme. Wobei das Bauchgrummeln wahrscheinlich auch eher von den kiloweise verputzen Wassermelonen kam.

Obststand Koh Phangan

medizinische Versorgung:

Im Norden Thailands, wo noch nicht so viele Touristen unterwegs sind mag es anders aussehen, aber in den großen Städten wie Bangkok oder dem Touristisch erschlossenen Süden und Südosten Thailands ist die medizinische Versorgung auserordentlich gut. An jeder Ecke gibt es Apotheken, meist mit englischsprachigen Angestellten, in denen du wirtlich alles kaufen kannst. Die meisten Medikamente die du bei uns nur mit Rezept bekommst, sind hier sogar Rezeptfrei. Auch in Drogerien und normalen Supermärkten kann man eine ganze Reihe an Medikamenten kaufen. Aus dem Grund haben wir uns auch gegen eine Reiseapotheke Entscheiden. Wir brauchen zuhause nie irgendetwas, warum sollten wir ausgerechnet in den 2 Monaten was brauchen? Und wenn doch, bekommen wir hier im Notfall eben alles ohne Probleme. Auch die ärztliche Versorgung ist hier sehr gut und in den überall verbreiteten westlichen Kliniken gibt es nicht nur mehrsprachiges (meist Thai, Englisch Deutsch und Russisch) Personal, sondern auch noch oft einen höheren Standard als bei uns.

Sonnen und Mückenschutz:

Wer konventionellen Sonnen- und Mückenschutz verwenden möchte, sollte diesen am besten von Zuhause mitbringen. Sonnencremes sind meist mit einem Bleichmittel versehen, da die Thailändischen Frauen lieber helle Haut haben wollen und der hier erhältliche Mückenschutz ist so mit Chemie vollgepumpt, dass viele davon nicht mal unter 12 Jahren verwendet werden dürfen.

Jamie hat noch nie eine Sonnencreme gesehen und wir gehen auch zu Hause durchaus in der Mittagssonne raus. Auch hier nutzen wir keine Sonnencreme und er hatte noch nie einen Sonnenbrand. An sehr heißen und Sonnigen Tagen oder wenn wir Mittags unterwegs sind, kommt ein bisschen Kokosöl zum Einsatz, dass man hier an jeder Ecke frisch kaufen kann.

Kokosöl ist sowieso sehr vielseitig und wird hier von uns auch mit Teebaumöl und wenn sehr viele Mücken unterwegs sind auch noch mit dem hier erhältlichen Citronellaöl gemischt als Mückenschutz verwendet.

Ich muss dazu sagen, die Mücken stechen trotzdem und wir hatten mehr als einmal das Gefühl, dass es überhaupt nichts bringt. Bis wir einmal komplett vergessen hatten uns einzuschmieren… doch es hilft!

Das Teebaumöl hilft übrigens auch bei schon vorhanden Mückenstichen gegen das Jucken und auch wunden können mit dem Kokos-Teebaumölgemsich behandelt werden.

Morgens und Abend zur Dämmerung, also jeweils gegen halb 6 Uhr bis ca. 7 Uhr sind die Mücken am aktivsten. Wir sind mittlerweile dazu übergegangen uns, wenn gerade möglich, in dieser Zeit drinnen zu verstecken.

Schwangerschaftsvorsorge:

Wie ihr hier nachlesen könnt, haben Alex und ich uns diesmal für eine vorsorgefreie Schwangerschaft entschieden. Jedoch ist diese hier in Thailand ohne Probleme in den meisten Krankenhäusern möglich. Dort werden oft auch ganze Vorsorge- und sogar Geburtspakete zu sehr günstigen Preisen angeboten.

Im Notfall hätten wir hier auf der Insel gleich mehrere Kliniken in die ich gehen könnte, sowie das große Bangkok Hospital auf Koh Samui, das in einer halben Stunde mit der Fähre erreicht werden kann.

Ich glaube das waren so im großen und ganzen die wichtigsten Punkte. Oder hat euch was gefehlt? Dann schreibt es doch unten in die Kommentare, vielleicht kann ich euch die ein oder andere Frage noch beantworten.

Alles Liebe eure

Nina

 

Zu dritt mit Handgepäck nach Thailand

Zu dritt mit Handgepäck nach Thailand

Wir haben es tatsächlich geschafft für unseren 2 monatigen Aufenthalt in Thailand nur mit Handgepäck anzureisen. Anfangs erschien uns dies ehrlich gesagt wie ein unmögliches Unterfangen, aber es stellte sich schnell heraus, dass es gar nicht so schwer ist.

Alex und ich kamen eigentlich schon immer mit recht wenigen Dingen aus. Schon bei Übernachtungspartys bei Freunden kamen immer alle mit riesigen Taschen an. Ich hatte meist nur meine normale Handtasche dabei. Da diese im Alltag mit meinem Geldbeutel und Hausschlüssel recht leer ist, war da immer genug Platz für meine Zahnbürste, eventuell etwas Make up und Unterwäsche. Mehr brauchte ich nicht.

Irgendwo auf einem Blog habe ich mal den Tipp gelesen: “ richte alles was du mitnehmen willst auf einen Stapel her und dann pack mindestens die Hälfte wieder weg“. Das klappt eigentlich recht gut.

Wir haben wirklich nur das Nötigste mitgenommen, keinen Schnickschnack, keine Reiseapotheke von der man höchstwahrscheinlich eh nichts braucht und keine 5000 Kleidungsstücke; hier hat es selbt an kühleren Tagen mindestens 26 Grad, wir tragen daher eh fast ausschließlich Badesachen.

Hier also unsere endgültige Packliste mit der wir letztendlich tatsächlich nach Thailand aufgebrochen sind:

  • Alex: 2 kurze Hosen, 1 kurzärmliges Shirt, 1 kurzärmliges Hemd, 1 Badehose, Unterwäsche, ein Paar Flipflops plus die etwas wärmere Kleidung die er beim Flug anhatte, die hier aber nur im Schrank hängt und auf den Rückweg wartet
  • Nina: 3 Tops, ein kurzer Jumpsuit, 1 Bikini, ein paar Barfußschuhe, Unterwäsche und auch die Kleidung vom Flug
  • Jamie: 3 kurzärmlige Shirts und 3 kurze Hosen, die wir auch als Badehose nutzen (wenn er eine trägt)
  • Elektronische Ausstattung: Laptop, 2 Smartphones und einen Ebook-Reader, jeweils mit Ladekabel
  • Alex Zeichensachen: Papier, Stifte und Zubehör, Mappe für die Bilder,…
  • Jamies Spielzeug: 4 Tiptoibücher mit Stift, einen aufblasbaren Ball, ca 15 Schleichtiere und seine komplette Matchbox Autosammlung , Wir haben uns bei meiner Schwester noch Schwimmflügel geliehen, damit er auch alleine an den Pool kann, die trägt er jedoch nicht
  • Zahnbürsten, Teebaumöl, Aluminiumfreies Deo im Glaszerstäuber, Haarbürste und Haargummis (bei 3 Leuten mit langen Haaren jede Menge davon)
  • wichtige Unterlagen: Reisepässe mit Visum plus Kopien, Passbilder, Bank- und Kreditkarten, Flugtickets, Geldbeutel mit Bargeld

Ich muss zugeben, so ganz haben wir uns  nicht auf die mitgebrachten Sachen verlassen. Wir wussten, dass wir das meiste hier sehr günstig kaufen können. Einiges wie das Geschirr werden wir hier vor unserer Abreise an andere Familien weitergeben, andere Dinge nehmen wir mit nach Hause. So werden wir auf dem Rückweg wohl nicht ganz mit Handgepäck auskommen. Unseren Trolley werden wir wahrscheinlich als Gepäck aufgeben und uns noch einen dritten Rucksack fürs Handgepäck besorgen. So müsste alles gut verstaut sein.

Was wir hier gekauft haben:

  • für jeden von uns noch ein paar Hosen und Shirts, nicht weil wir sie unbedingt gebraucht hätten, sondern einfach weil sie uns gefallen haben
  • Kokosöl bekommt man hier an jeder Ecke sehr günstig. Die Einheimischen machen es meist selbst
  • 1 Teller, 2 Schüsseln, 3 Gabeln und Löffel, 1 Messer und ein Beil zum Kokosnüsse öffnen. Bis auf das Beil werden wir aber alles hier lassen
  • ein Stativ und eine Kameralinse für unsere Smartphones (das wollten wir eigentlich noch vor der Reise kaufen , haben es aber vergessen)
  • Schwimmring, Taucherbrille und Sandspielzeug für Jamie
  • ein großes Tuch zum draufsetzen

Was wir beim nächsten Mal definitv mitbringen werden sind gute Helme, sowohl für uns als auch für die Kinder, zum Roller fahren. In Deutschland waren wir noch fest der Meinung, dass wir keine brauchen werden, da wir davon überzeugt waren hier nicht Roller zu fahren. Wir merkten aber schnell, dass es hier fast nicht anders möglich ist und so hatten wir nach einer Woche doch einen Roller da stehen. Natürlich fahren wir alle mit Helm, aber die Helme hier passen meist leider nicht zu 100% und mit guten Helmen von zuhause würde ich mich einfach sicherer fühlen.

Was wäre euch wichtig dabei zu haben? Worauf könntet ihr auf keinen Fall verzichten? Könntet ihr euch auch vorstellen nur mit Handgepäck zu reisen? Ich freu mich auf eure Kommentare.

Alles Liebe

eure Nina

Raus aus der Wohnung – rein in die Freiheit

Raus aus der Wohnung – rein in die Freiheit

Puh kaum zu glauben, dass es jetzt so weit ist. Nach langem Planen, Rechnen und Träumen haben wir nun tatsächlich unsere Wohnung gekündigt und ziehen mit Jamie in ein Wohnmobil. Erstmal werden wir noch eine Weile vor Ort bleiben um ein paar Dinge zu klären und um noch ein bisschen Geld anzusparen und voraussichtlich Anfang nächstes Jahr geht es dann auf Open-End-Reise.

Zum 1.11. müssen wir raus sein aus der Wohnung. Das heißt, uns bleiben nun 3 Monate um die komplette Wohnung leer zu räumen und zu sortieren: Was brauchen wir wirklich und wollen es mitnehmen? ,Wovon können oder wollen wir uns noch nicht trennen und werden es deshalb erstmal bei meiner Mama im Keller lagern? Und was verkaufen oder verschenken wir? Dazu kommen noch Dinge wie Wände streichen, Reisepässe beantragen, ein Wohnmobil finden (das auch noch winterfest ist, da wir diesen Winter ja noch hier in der Kälte verbringen werden) und natürlich gilt es auch noch die ein oder andere Formalität zu klären. Nebenbei geht Alex noch Vollzeit arbeiten und  ich darf meine Arbeit bei all dem natürlich auch nicht vernachlässigen.

Auch Jamie muss sich öfter mal alleine beschäftigen, macht aber super mit und sitzt eine ganze Weile mit seinen Autos auf dem Boden oder sieht sich seine Tiptoi Bücher an.

Ganz schön viel zu tun, aber die Vorfreude auf die Freiheit ist momentan noch größer als der Stress. Mal schauen wie es in zwei Monaten aussieht.

Übermäßig viel zum Ausräumen haben wir zum Glück nicht mehr, da wir uns nun mittlerweile schon seit 1 1/2 Jahren in Minimalismus üben. Damals sind wir nämlich schon aus unserem 130 m² Haus mit Garten in eine 2 Zimmer Wohnung gezogen. Viel haben wir nicht behalten. Schon da landeten ganze 40 Müllsäcke Textilien in Kleiderkammern und Altkleidercontainern, ich hab keine Ahnung wo das alles war und vor allem wo es herkam. Einiges  haben wir schon verkauft oder verschenkt und gefühlte 100 mal waren wir beim Wertstoffhof zu Gast. Knappe 10 Umzugskisten zogen mit uns in die neue Wohnung und wir fühlten uns so viel leichter und befreiter.

Uns wurde aber schnell klar: Das war es noch nicht, das war nur ein kleiner Schritt auf unserem Weg. Die Idee mit dem Wohnmobil haben wir schon lange und wie erwähnt haben wir immer wieder geträumt und gerechnet und geplant, jedoch nie gemacht. Aus Angst, Unsicherheit, mit Sicherheit auch zum Teil Bequemlichkeit.

Jedoch haben wir uns gerade seit wir Eltern sind auch mental sehr verändert und weiter entwickelt, dieses Leben, das sind einfach nicht mehr wir. Wir wollen uns keinen Zwängen unterwerfen, weder irgendwelchen gesellschaftlichen oder beruflichen Zwängen, noch gesetzlichen wie z.B.: der Schulpflicht. Wir wollen frei sein, Jamie soll frei aufwachsen, frei lernen und leben können.

Wir haben in letzter Zeit festgestellt, dass wir uns wieder sehr in unsere Komfortzone zurück gezogen haben und unsere Pläne immer mehr wieder zu Träumereien wurden. Dieser Umstand und das daraus resultierende Gefühl, dass wir so aus diesem Hamsterrad nie raus kommen, wirkte sich natürlich auch auf unser Zusammenleben und unsere Beziehung aus. Wir hatten immer wieder mal Phasen, in denen der Stress überhand nahm und wir viel stritten, aber so schlimm wie diesmal war es noch nie. Wir stritten fast täglich, wir brüllten uns an, als wären wir verrückt und das Schlimmste: wir taten es vor unserem Kind! Genau das wollten wir nie tun. Wir wussten selbst wie schrecklich es für Kinder ist mit zu bekommen, wenn ihre Eltern so stritten und schrien, wir würden es anders machen – ja Pustekuchen. Jetzt standen wir hier, vergasen alles um uns herum und stritten als würde es kein Morgen geben  und Jamie stand daneben. Erst als er selbst weinend anfing uns anzuschreien merkten wir, dass hier irgendetwas schief lief. Wir schworen uns, nicht mehr zu streiten und nicht mehr jeden Stress an uns auszulassen. Das klappte ganz  gut… ungefähr eine Woche lang. Dann war der nächste Punkt erreicht, der das Fass wieder zum Überlaufen brachte.

So konnte es nicht weitergehen. Bei einem sehr langen Gespräch, das viele Tränen beinhaltete, sprachen wir beide den Gedanken aus, der uns am meisten Angst machte. Wenn wir so weitermachen, trennen wir uns irgendwann, egal wie sehr wir uns lieben. Es muss was passieren und zwar jetzt!

Wir merkten endlich, wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir es nie tun. Denn den perfekten Moment wird es nie geben. Ja und so schrieben wir gleich am nächsten Tag die Kündigung für unsere Wohnung, ohne überhaupt zu wissen, ob wir rechtzeitig ein Wohnmobil finden werden. Zur Not werden wir wohl ein paar Wochen bei meiner Mama unterkommen.

Wir sind unheimlich aufgeregt und nervös. Natürlich haben wir auch ein bisschen Angst aber gleichzeitig sind wir so unglaublich glücklich uns endlich zu trauen. Allein durch diese Entscheidung sind wir so viel entspannter und streiten sehr viel weniger. Der nächste große Schritt ist nun unsere Jobs zu kündigen und Deutschland den Rücken zu kehren. Ich werde dich hier natürlich auf dem Laufenden halten.

So, jetzt geh ich aber mal weiter sortieren. Wenn du irgendwas brauchst, wir verkaufen gerade nach und nach vieles bei Ebay Kleinanzeigen. Am besten schaust du einfach immer wieder mal rein.

Alles Liebe

Nina

 

 

Was sich alles verändert hat, seit wir uns vegan ernähren

Was sich alles verändert hat, seit wir uns vegan ernähren

Anfangs fiel uns die Ernährungsumstellung sehr schwer. Bevor Jamie geboren wurde waren wir furchtbare Esser. Jede Menge Zucker in Form von Süßigkeiten und 1,5 Liter Cola am Tag, Fertiggerichte und Pizzaservice waren bei uns keine Seltenheit. Gemüse oder Salat kamen hier allenfalls als Beilage oder eher Deko auf den Teller. Obst haben wir regelmäßig weggeschmissen, weil es schlecht wurde. Wären wir vor einem mit Gemüse gefüllten Kühlschrank gestanden, hätten wir gesagt: „Wir wissen nicht was wir kochen sollen, wir haben nichts da.“

Seit Jamies Geburt haben wir uns immer mehr und mehr mit dem Thema Ernährung beschäftigt und immer mehr umgestellt. Als erstes haben wir auf Industriezucker verzichtet und da schon gemerkt, was so eine Ernährungsumstellung ausmacht. Als nächstes haben wir immer mehr Gemüse in unsere Ernährung eingebaut, Milchprodukte weggelassen,… So ging das ganze eigentlich recht schleichend voran und es kam eins zum anderen und wir haben teilweise erst im Nachhinein gemerkt, dass wir plötzlich Dinge verändern, die wir nie wollten. Auch wir hatten die typischen Vorurteile gegenüber Veganern und der veganen Ernährung, heute können wir darüber nur noch lachen und den Kopf schütteln.

Nun ernähren wir uns mittlerweile seit einigen Monaten (mit wenigen Ausnahmen, die aber auch weniger werden und irgendwann mir Sicherheit ganz wegfallen) vegan. Und ich muss sagen, wir waren und sind teils immer noch sehr überrascht, was wirklich alles mit der Ernährung zusammenhängt.

Du nimmst ab und bekommst ein gesundes Gewicht

Dass wir angefangen haben abzunehmen ist ja erstmal nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Obst und Gemüse wesentlich weniger Kalorien als Fastfood hat. Dass wir aber, gerade Anfangs, in so einer rapiden Geschwindigkeit an Gewicht verlieren und dabei sogar wesentlich mehr essen als früher, hätten wir nicht gedacht. Bei Alex hat sich das Gewicht mittlerweile eingependelt, bei mir sind es noch ein paar Kilo zu viel, die zwar nun nicht mehr so schnell aber dafür stetig weniger werden.

weniger Hunger und kein Heißhunger mehr

Wir essen regelmäßiger und haben weniger Hunger. Während Alex früher riesige Portionen Schokomüsli mit Milch zum Frühstück und dann Vormittags in der Arbeit große Sandwiches mit Salami, Käse und Mayo und Knabberzeug nebenbei verdrückte, reicht ihm jetzt in der Früh ein grüner Smoothie und in der Arbeit ein Salat.

Gerade bei mir ist der starke Heißhunger verschwunden der dazu führte, dass ich nicht selten eine ganze Tafel Schokolade auf einmal aß. Ok  ich gebe es zu, es waren eher zwei und noch ein Eis hinterher. Wenn ich nun zwischendrin Hunger bekomme, der Heißhunger ist wirklich komplett weg, mache ich mir einen Rohkostteller, der aber mittlerweile eigentlich eh immer da steht und jeder mal rein greift.

Wir haben uns lange vor einer Ernährungsumstellung gesträubt, weil wir auf nichts verzichten wollten. Aussagen wie: „Ich verzichte auf nichts“ während gleichzeitig erzählt wurde, dass nun mehr Gemüse und weniger Süßes, kein Brot oder was auch immer mehr gegessen wird, konnten wir nicht ernst nehmen. Das war für uns Diät und Zwang.

kein Verzicht sondern ein erweiterter Speiseplan

Ja, was soll ich sagen? Jetzt gehören wir selbst zu denen, die sagen: Wir verzichten auf nichts. Und es stimmt. Aus unserer früheren Sicht verzichten wir natürlich auf jede Menge Dinge, die uns mal wichtig waren. Aber mit der Ernährungsumstellung verändert sich auch der Geschmack und die Vorlieben. Wir verzichten nicht, weil wir diese Dinge gar nicht mehr essen wollen, weil sie uns teilweise gar nicht mehr schmecken.

Ich habe zu Gast bei Freunden, gerade Anfangs, immer mal wieder z.B. Fleisch probiert wenn wir beim Grillen waren, obwohl es mich schon von Anfang an nicht gereizt hat und es hat mir tatsächlich nicht geschmeckt. So habe ich an solchen Abenden „nur“ gegrilltes Gemüse und Salat gegessen. Für andere sah es wahrscheinlich nach Verzicht aus und auch ich hätte es vor gar nicht all zu langer Zeit als Diät und Verzicht gesehen. Aber das ist es nicht, denn ich habe es ja freiwillig nicht gegessen, weil ich es nicht wollte, es mir eben nicht geschmeckt hat.

In Wirklichkeit erweitert sich dein Speiseplan sogar, wenn du dich vegan ernährst. Durch die Geschmacksänderung probierst du immer mehr neue Sachen. Dinge die dir nie geschmeckt haben, sind plötzlich so unglaublich lecker, dass du dich fragst, wie du nur dein Leben lang darauf verzichten konntest. Man wird experimentierfreudig und probiert viele Sachen aus. So genanntes Pseudogetreide wie z. B. Quinoa und Amaranth, aber auch Hülsenfrüchte wie rote Linsen hätte ich früher nie gekauft, jetzt bereichern sie täglich unser Essen. Alles schmeckt so viel intensiver und besser. Du merkst schon, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus.

bessere Verdauung

Durch die vielen Enzyme und Ballaststoffe verbessert sich auch die Verdauung oder besser gesagt, sie normalisiert sich. Blähungen und ein harter Bauch gehören der Vergangenheit an.

schönere und klare Haut

Die Haut verbessert sich. Bleiche, trockene, pickelige, juckende und schuppende Haut weicht einer frischen, glatten und rosigen Haut. Sogar Ekzeme und Neurodermitis können völlig verschwinden. Ich habe seit Jahren an den Fußrücken und gelegentlich auf den Handrücken und dem Oberarm solche Ekzeme und wusste nie woher sie kamen. Seit wir uns vegan ernähren sind sie komplett verschwunden und wenn ich mal ein paar Tage Mist esse, was gerade während der Umstellungsphase noch vorkam, sind sie sofort wieder da.

bessere Gesundheit

Wir sind gesünder. Gut, wir waren schon immer eher selten krank und gingen noch nie wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Aber mit der Ernährungsumstellung sind auch die ganzen Wehwehchen verschwunden. Jamie war mit seinen fast 3 Jahren, außer zu den U`s, die hier in Bayern Pflicht sind, noch nie beim Arzt und Alex leidet nicht mehr ständig an Kopfschmerzen.

mehr Leistung und Bewegung

Wir sind leistungsfähiger und bewegen uns mehr. Bewegung macht plötzlich Spaß, wir sind voller Energie und Tatendrang. Kein träges auf der Couch sitzen mehr nach dem Essen. Endlich liefert uns die Nahrungsaufnahme das wofür sie gedacht ist. Wir machen nun regelmäßig Sport, das Auto bleibt so gut wie immer im Alltag stehen und wir laufen, wir gehen schwimmen und toben mit Jamie auf dem Spielplatz.

weniger Schlaf

Wir brauchen weniger Schlaf. Egal wie viel wir früher geschlafen haben, wir waren irgendwie immer müde. Ich brauchte jede Nacht mindestens 8, eher 10 Stunden schlaf um halbwegs zu funktionieren. Mit Kind eigentlich kaum möglich. Jamie war Phasenweise alle halbe Stunde wach und ich fix und fertig. Heute reicht mir viel weniger Schlaf. Klar liegen wir auch gern mal länger im Bett, vor allem um miteinander zu kuscheln, aber uns reichen auch 4 Stunden zum Schlafen um den ganzen Tag fit zu sein. Wodurch wir natürlich auch sehr viel Zeit gewinnen während Jamie schläft um z.B. zu arbeiten oder einfach mal Zeit als Paar zu haben.

erhöhte Konzentrationsfähigkeit

Wenn ich gerade vom Arbeiten rede. Auch diese geht nun viel schneller und leichter von der Hand, da wir uns viel besser konzentrieren können. Das Gehirn arbeitet einfach irgendwie effizienter.

stärkeres Selbstbewusstsein

Auch ein stärkeres Selbstbewusstsein ist ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt unserer Ernährungsumstellung. Dadurch, dass wir uns so viel besser und fitter fühlen, laufen wir automatisch aufrechter, gehen mit einem Lächeln in die Welt hinaus und strahlen an sich einfach viel mehr Zufriedenheit aus. Dies wiederum zieht andere Leute an, man wirkt einfach viel sympathischer.

entspannter und gelassener Umgang mit Stresssituationen

Die Letzte und für uns die wichtigste Veränderung seit wir uns vegan ernähren ist, dass wir wesentlich entspannter und gelassener werden, vor allem im Umgang mit Jamie.Wir sind auch in stressigen Situation nicht mehr so schnell genervt und können viel ruhiger und bedürfnisorientierter reagieren. Auch Alex und ich streiten viel weniger und ich muss sagen, ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendwas in unserer alten Ernährung aggressiv macht.

Dass sich so unheimlich viel in unserem Leben ändern wird, nur weil wir unsere Ernährung umstellen und sich dadurch so viel neue Möglichkeiten und Wege auftun, hätte ich ehrlich gesagt nie gedacht und ich bin so froh, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben.

Dennoch werde ich bei manchen Dingen immer wieder Rückfällig. Also wenn ihr einen Tipp für einen megaleckeren veganen Käse für mich habt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir ein Kommentar hinterlässt.

Alles Liebe

Nina

 

 

 

 

Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

Fremdbetreuung und die Sache mit der Bindung

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Fremdbetreuung oder Selbstbetreuung? Bei dieser Frage kommt es nicht selten zu heftigen Diskussionen.

Eltern die ihre Kinder zur Tagesmutter geben oder in einer Krippe/Kita betreuen lassen, fühlen sich in den allermeisten Fällen schon allein von dem Wort „Fremdbetreuung“ angegriffen. Es wären ja gar keine fremden Leute die da auf das Kind aufpassen, man lernt sie schließlich vorher kennen. Mal abgesehen davon, dass man nach ein paar Wochen Eingewöhnung definitiv nicht von kennen sprechen kann, ist es nun mal auch der Fachbegriff dafür was es halt einfach ist.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder

In Wirklichkeit sind es eher die Eltern bzw. Mütter die ihre Kinder selbst betreuen, die stark kritisiert werden. Übermutter, Hartz4, sich aushalten lassen, NUR Hausfrau,… das sind nur einige der Begriffe die in diesem Zusammenhang immer wieder fallen. Nur weil man sein Kind nicht von anderen, ja in der Tat Fremden erziehen lassen will.

Fremdbetreuung ist gegen jedes Grundbedürfnis kleiner Kinder. Für eine sichere Bindung braucht ein Kind einen sicheren Hafen in Form seiner Mutter / seiner primären Bezugsperson (der Einfachheit halber ist im weiteren Text nur von der Mutter die Rede), aber mit Sicherheit nicht den Alltag in einer Aufbewahrungsanstalt.Viele Psychotherapeuten, Ärzte und Forscher sind sich einig: Säuglinge und Kleinkinder brauchen die ständige Anwesenheit der Mutter.

In der Bindungsforschung ist schon lange klar, dass die Mutter – Kind – Bindung, hingegen landläufiger Meinung, unersetzbar ist um ein optimales Gedeihen und die psychische Gesundheit eines Kindes sicher zu stellen. Dr. med. Karl Heinz Brisch, John Bowlby, Jean Liedloff und Prof. Dr. Gerald Hüther sind wohl die bekanntesten Namen derer, die sich diesem Thema widmen.

 Könnte man in Anbetracht dessen nicht warten bis die Kinder freiwillig ein paar Stunden mit anderen Kindern spielen möchten, was meist mit 3 bis 4 1/2 Jahren der Fall ist? Warum stellen manche Mütter ihre Arbeit und „Zeit für sich“ über die Grundbedürfnisse ihrer Kinder? Kann eine Mutter sich nicht für ein paar wenige Jahre ihres Lebens zurück nehmen um voll und ganz für ihre Kinder da zu sein und ihnen somit eine starke und gesunde Basis für ihr ganzes Leben mitzugeben?
Viele werden jetzt sagen, dass nun mal nicht jeder die Wahl hat, dass viele arbeiten müssen, da das Geld sonst nicht reicht.  Ich sage, es gibt (zumindest in Deutschland) fast immer einen Weg. 3 Jahre Elternzeit stehen hier jedem zu. Wie viel Geld bleibt von dem Verdienten am Ende bei vielen denn wirklich übrig, wenn man die Kosten für die Kinderbetreuung und Benzinkosten um das Kind in die Kita zu bringen und selbst zur Arbeit zu kommen abzieht? Braucht man wirklich ein Haus mit Garten von dem niemand was hat, weil man nur die Nächte dort verbringt oder zwei Autos? Wäre das Kind in einer 2 Zimmer Wohnung ohne Garten, dafür bei Mama nicht viel glücklicher?

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat

Dem einzigen, dem eine frühe Fremdbetreuung wirklich was bringt, ist der Staat und das gleich in zweifacher Weise. Mütter werden als billige Arbeiter mobilisiert und die nächste Generation wird oft genug noch in den Windeln liegend seelisch gebrochen. Hier der Brief einer Mama, die sich zu den jüngsten Vorfällen in einer berliner Kita äußert. Die perfekten unreflektierten Jasager und Soldaten von morgen.
Eine Kindergartenpflicht wird längst diskutiert, der Staat maßt sich an, sich als besseren Erzieher unserer Kinder hinzustellen und Tritt unsere Rechte mit Füßen. Und wir? Wir lassen es uns gefallen und fallen auf den Deckmantel der Selbstbestimmung und Gleichberechtigung rein. Schöne neue Welt – kennt ihr das Buch von Aldous Huxley? Solltet ihr mal lesen. Weit sind wir nicht mehr davon entfernt.
„Aber mein Kind hat doch Spaß dort, es ist glücklich, am Abend vom Spielen mit seinen Freunden zufrieden und müde und außerdem: Jedes Kind ist anders.“ So oder so ähnlich klingen die Argumente der Befürworter der Fremdbetreuung. Das Kind geht ja schließlich freiwillig. Tut es das? Oder hat es zum Ende der Eingewöhnung ( die es, wäre es wirklich freiwillig dort, gar nicht bräuchte) einfach nur aufgegeben und sich seinem Schicksal gefügt? Das Heimweh und die Tränen sieht die Mutter nicht und am Abend erzählt die Erzieherin was die, von der Arbeit müde Mutter hören will: „Alles ok , klein Lisa hatte Spaß“.

 

Jeder Instinkt in uns schreit, dass das nicht richtig sein kann. Kinder die von ihrer Mutter getrennt werden, stehen unter enormen Stress und der ist bewiesenermaßen auch für uns Erwachsene alles andere als gesund. Ein kleines Kind kann die Zeit noch nicht abschätzen, ein paar Minuten können sich schon wie Stunden anfühlen, ein Tag im Kindergarten wie eine Ewigkeit. Die Kinder sind dabei meist nicht mal auffällig, im Gegenteil weinen sie oft äußerst selten, sind ruhig und angepasst. Im Erwachsenenalter entwickeln diese Kinder jedoch auffallend oft ausgeprägte Trennungsängste.

Der Cortisolspiegel erhöht sich bei fremdbetreuten Kindern unter 3 Jahren dauerhaft, das Urvertrauen wird empfindlich gestört, der Stress schadet nachweislich der Gehirnentwicklung. Zu diesen Ergebnissen kommen unter anderen die zwei großen Krippenstudien NICHD Study of Early Child Care and Youth Development und die Wiener Kinderkrippenstudie WiKi. Verhaltensänderungen werden laut Bowlby von den Eltern oft nicht mit der Fremdbetreuung in Verbindung gebracht, die Kinder in ihrer Not also nicht gesehen. Mangelnde Sozialkompetenz, Empathie sowie Bindungs- und  Persönlichkeitsstörungen sind nur wenige der möglichen Folgen der Fremdbetreuung.

Aber was ist denn mit dem oft zitierten afrikanischen Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen“? Ganz einfach: das ist kein Widerspruch! Das braucht es auch. Mütter die vollkommen mit ihren Kindern auf sich allein gestellt sind, das ist genauso unnatürlich, wie die Fremdbetreuung. Wir haben schon immer im Clan oder einer Großfamilie zusammen gelebt. Die Kinder wurden natürlicherweise von allen gemeinsam großgezogen und die Mutter bei ihren Aufgaben unterstützt.

Zwischen diesen beiden Dingen gibt es jedoch einen grundlegenden Unterschied: die Mutter war greifbar, das Kind wurde nicht von der Mutter getrennt, sondern der Mutter das Leben mit Kind ermöglicht. Dafür sollten wir kämpfen, nicht für noch mehr Krippenplätze.

Desweiteren „waren die betreuenden Personen in der Regel Teil eines mit der Mutter eng und persönlich verbundenen sozialen Netzes“ (Herbert Renz-Polster). Und genau darauf ziehen Portale wie z.B. kindergartenfrei.org ab. Die Mütter/Familien dort helfen sich gegenseitig und vernetzen sich. Ganz nach dem Motto:

“ Kinderbetreuung ist Familiensache!“

Quellen:
Bücher
Online

Late Talker – was ist das?

Late Talker – was ist das?

Warum wir aufhören sollten unsere Kinder zu pathologisieren

Late Talker – was ist das? Warum werden schon Babys und Kleinkinder in Schubladen gesteckt? Warum darf ein Kind nicht einfach ein Kind sein?

Ist es denn tatsächlich so wichtig wann ein Kind läuft, spricht, isst oder auszieht?

Was ist normal?

Warum werden Kinder heute von Geburt an pathologisiert? In Deutschland, wie auch den meisten anderen Ländern, geht man grundsätzlich davon aus, dass ein Kind krank ist oder mit ihm zumindest etwas nicht stimmt, wenn es in irgendeiner Hinsicht nicht der Norm entspricht. Aber was überhaupt ist die Norm? Wer hat diese Norm definiert ?

Wir könnten uns mal eine Scheibe bei den Niederländern abschneiden. Dort gilt ein Kind nämlich grundsätzlich als gesund, solange das Gegenteil nicht einwandfrei bewiesen wurde.

20 Prozent der Kinder sind angeblich nicht normal

20 Prozent der Kinder in Deutschland werden als sogenannte Late Talker bezeichnet. Wenn ein Kind mit 2 Jahren keine 50 Wörter sprechen kann, zählt es per Definition zu den „späten Sprechern“.  Die Hälfte von Ihnen holt von allein auf, die andere Hälfte wird ohne Hilfe immer sprachliche Defizite haben (sagt man).

Aber woher will man das denn wissen, wenn man es ja gar nicht darauf ankommen lässt? Ich bin wirklich kein verfechter von „früher war alles besser“,wir haben vieles an dem heutigen bedürfnisorientierteren Umgang mit Kindern, wissenschaftlichen Studien zu verdanken. Aber in diesem Fall muss ich es doch mal sagen: Früher wurde auch nicht jedes Kind, dass sprachlich nicht der Norm entsprach zum Logopäden, in einen integrativen Kindergarten oder sonst wohin geschickt und dennoch können die allermeisten Erwachsenen ganz normal sprechen.

Niemand würde bei einem Kind, dass mit 10 Monaten schon mehrere Wörter spricht, sagen: „Ohje, das ist viel zu früh, da müssen wir doch was machen!“

Wer sagt denn überhaupt, dass Kinder die mit 2 Jahren nicht die geforderten 50 Wörter sprechen wirklich spät dran sind? Wenn es doch 20 Prozent der Kinder betrifft, ist es dann nicht viel wahrscheinlicher, dass es nur eine andere Variante der Norm ist? Ähnlich der Größe und dem Gewicht eines Kindes?

Ist es nicht vollkommen absurd, eine Wörterliste abzufragen, weil man der Meinung ist, Kinder müssten in einem bestimmten Alter auch bestimmte Wörter sprechen? Was ist, wenn in der Familie, aus welchem Grund auch immer, nie Ball gespielt wird und das Kind daher auch noch nie einen gesehen hat? Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind das Wort Ball sagen kann, ist in diesem Fall gleich Null. Oder wenn bestimmte Wörter die zwar normaler, alltäglicher Sprachgebrauch sind, in einer Familie einfach nicht genutzt werden? Was sagt das dann über die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes aus? Richtig, rein gar nichts.

Was Kinder können ist nicht wichtig, nur was sie nicht können zählt

Entwickelt sich ein Kind durchschnittlich ist alles gut, alle sind zufrieden und stolz, aber wehe ein Kind fällt auch nur in einer einzigen Sache aus dem Rahmen …

Obwohl wir Erwachsenen auch nicht alle das Gleiche gleich gut können, wird das von Kindern sehr wohl erwartet.

Das Kind kann krabbeln und stellt sich hin, es läuft frei, läuft Treppen hoch und runter,  hüpft auf dem Trampolin und versucht zu schwimmen, löst Memories und versteht jedes einzelne Wort, ist sehr empathisch, glücklich und wahnsinnig ausgeglichen, schneidet Obst und Gemüse, schmiert sich Butter aufs Brot und isst Suppe perfekt mit dem Löffel.

Aber das ist alles vollkommen egal und zählt nicht. Warum? Ganz einfach. Es spricht nicht, das Kind kann nicht normal sein.

Mein Sohn sagt mit 2 ½ Jahren in etwa 20 Wörter

und ist von Zwei-Wort-Sätzen meilenweit entfernt. Es liegt nicht an den Ohren, er hört super und versteht auch jedes Wort und kann umsetzen was man sagt.

Eltern und Kinder werden in Schubladen gesteckt

Er ist zurückgeblieben und braucht Frühförderung sagen die einen, die anderen sagen er wäre nur faul und ich müsste einfach von ihm verlangen zu sprechen. Wenn er nichts mehr zu essen bekommt, solange er nicht sagt was er will, wird er schon anfangen zu reden.

Wieder andere sagen, es wäre meine schuld, ich hätte mich bestimmt nicht genug um mein Kind gekümmert, rede zu wenig mit ihm, spiele nicht mit meinem Kind und habe es bestimmt von klein auf vor dem Fernseher geparkt.

Und weißt du was?

Ja, mein Sohn sitzt schon mal vor dem Fernseher und ja, ich nehme mir auch mal die Zeit einen Kaffee zu trinken, während er sich alleine beschäftigt.

Aber ich erzähle und singe auch seit seiner Geburt jeden Tag, ich erkläre ihm die Welt und lese ihm vor, das eine schließt nämlich das andere nicht aus.

Ich unterhalte mich auch mit ihm, denn ich verstehe ihn durchaus, auch wenn seine Artikulation zum Großteil aus ja, nein, Mama und Papa besteht. Und nein, ich werde niemals so tun als würde ich es nicht, nur damit er endlich zum reden anfängt.

Er kann es einfach nicht, noch nicht

Denn mein Kind ist nicht faul und nein, mein Kind ist auch nicht dumm, er kann es einfach nicht, noch nicht. Er ist nunmal momentan mit anderen Dingen beschäftigt. Erwachsene können auch nicht mehrere wichtige Dinge gleichzeitig lernen. Irgendwann ist die Sprache dran und dann wird es genau den Leuten, die jetzt meckern, dass er nicht spricht, ein Dorn im Auge sein, dass er zu viel spricht.

Denn man kann es Außenstehenden nicht recht machen, sie finden immer etwas.

Aber man kann es seiner Familie und seinem Kind recht machen. Indem man sieht was es schon kann und nicht was es noch nicht kann. Indem man stolz ist wenn es mit 8 Monaten aufsteht und genauso wenn es mit 3 Jahren zu sprechen anfängt.

Denn unsere Kinder sind keine Statistiken , keine Normkurven und auch kein Durchschnitt.

Unsere Kinder sind unsere Kinder und jedes ist auf seine eigene Weise etwas ganz Besonderes.